Hypo-Sektor mit Notfallplan

14. Februar 2014, 20:52
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Gemeinsame Haftungen der Landesbanken für das Kärntner Mitglied könnten bei einer Insolvenz schlagend werden

Wien - "Wir haben einen Notfallplan." In den Augen von Claus Fischer-See, Generalsekretär des Hypo-Verbands, ist der Sektor für den Fall einer Insolvenz der Kärntner Hypo gerüstet. Der Sektor wäre auf das laut Fischer-See unwahrscheinliche Ereignis vorbereitet, sodass fällig gestellte Anleihen rasch ausgezahlt werden könnten. Konkret betoffen ist die Pfandbriefstelle, die als gemeinsames Institut der Landes-Hypothekenbanken Schuldverschreibungen begeben hat.

Sie besorgt die Finanzierung treuhändig für die zehn Mitglieder des Sektors. Die Kärntner Hypo hat 1,2 Milliarden über die zentrale Einrichtung begeben. Dafür haftet nicht nur Kärnten, laut Pfandbriefstellen-Gesetz können Gläubiger auch die anderen Sektorbanken sowie deren Gewährsträger zur Verantwortung ziehen. Sollte eine Anleihe nicht bedient werden, könnte ein Gläubiger theoretisch in Innsbruck anklopfen und das Land Tirol belangen. Dieses könnte dann Regressansprüche in Kärnten anmelden, die bei einer Insolvenz dann wenig Aussicht hätten.

Der Chef der Vorarlberger Hypo, Michael Grahammer, erklärt, dass auf das von ihm geleitete Institut 80 bis 90 Mio. Euro entfallen würden. Er betont, dass es sich erst einmal um eine Bereitstellung von Liquidität handle. Das müsse nicht mit einem Verlust verbunden sein. Selbst im widrigsten Fall könne die Bank einen Ausfall mit einem Jahresergebnis abdecken. Grahammer teilt auch nicht die oft geäußerte Meinung, dass noch weitere Bundesländer in Schieflage geraten würden, wenn deren Haftungen für die Landesbanken schlagend werden. Vorarlberg hat mit 4,6 Mrd. Euro eines der größten Engagements. Das entspricht mehr als dem Dreifachen des Landesbudgets. Ähnlich ist die Situation beispielsweise in Tirol und im Burgenland.

Raiffeisen betroffen

Weniger entspannt ist die Notenbank. Sie hat wie berichtet festgestellt, dass ein Ausfall der Kärntner Bank bei drei Landesbanken "zu einer sofortigen Unterschreitung der regulatorischen Eigenmittelanforderungen führen würde". Betroffen wäre auch der Raiffeisensektor, der bei den Hypos in Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark engagiert ist. Grahammer findet die Debatte über eine Insolvenz sehr schädlich und stellt rechtliche Schritte in den Raum. Auch wenn er keine Personen nennt: Besonders ärgern ihn die Indiskretionen betreffend die Studie der Beratungsgruppe Oliver Wyman. Sie kam zum Ergebnis, dass eine Pleite der Kärntner Hypo die für die Republik günstigste Lösung sei. Als Auftraggeber wurden Finanzprokuratur und Finanzministerium kolportiert. (as, DER STANDARD, 15.2.2014)

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