Hohe Staatsverschuldung, aber auch leichtes Wachstum

14. Februar 2014, 18:22
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Als Regierungschef erwarten Matteo Renzi zahlreiche wirtschaftspolitische Dauerbaustellen

Arbeitsmarkt, Staatsschulden und Korruption zählen zu den neuralgischen Punkten der italienischen Wirtschaft. Zwar konnte man zuletzt die Rezession stoppen, doch die Erholung kommt nur äußerst langsam voran. Auch die Staatsverschuldung hat sich leicht verringert. Ironie des Schicksals: Ausgerechnet am Freitag, als Regierungschef Enrico Letta zurücktreten musste, wurden die Daten einer leichten Trendwende veröffentlicht.

  • Arbeitslosenquote: 2013 ist die Arbeitslosenquote auf 12,7 Prozent gewachsen. Drastische Ausmaße hat die Jugendarbeitslosigkeit (15-23 Jahre) angenommen: Diese kletterte zu Jahresende 2013 auf 41,6 Prozent. Experten erwarten erst für 2015 eine Besserung.
  • Staatsverschuldung: Mit einem Anteil von 133 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) ist Italien nach Griechenland das höchstverschuldete EU-Land. Die scheidende Regierung hat mit einem Privatisierungsplan und mit einem Gesetz zur Kapitalrückkehr die Weichen für Schuldenabbau gesetzt. Die Post und die Flugkontrollgesellschaft Enav sollen entstaatlicht werden. "Die hohe Staatsverschuldung ist das Grundübel der italienischen Wirtschaftsmisere", erklärte der Präsident des Bankenfachverbandes, Antonio Patuelli.
  • Industrieproduktion: Im dritten aufeinanderfolgenden Jahr ist die Industrieproduktion 2013 zurückgegangen. Der Rückgang hat sich zwar gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert, er fiel im Jahresvergleich mit drei Prozent jedoch höher aus als erwartet. Vor allem Investitions- und Verbrauchsgüter waren von der Misere betroffen, während bei Halbfertigwaren eine leichte Zunahme verzeichnet wurde. Die Bankvolkswirte von Intesa Sanpaolo erwarten 2014 eine Erholung der Industrieproduktion um ein Prozent.
  • Bruttoinlandsprodukt: Das BIP ist 2013 um geschätzt 1,9 Prozent zurückgefallen; seit 2010 machte der Rückgang 5,5 Prozent aus. Laut den jüngsten Schätzungen des Währungsfonds IWF, der EU und der Bankvolkswirte wird sich die Zunahme 2014 auf zaghafte 0,5 Prozent begrenzen. Erstmals konnte im letzten Quartal 2013 eine Zunahme (0,1 Prozent) verzeichnet und damit die Rezession unterbrochen werden.
  • Exporte: Die Exportentwicklung zählt zu den wenigen Lichtblicken in Italiens Wirtschaft und verhindert ein Massensterben im Industriesektor. "Made in Italy" hat in den letzten Monaten vor allem im Bereich der Mode- und Luxusindustrie, aber auch bei Nahrungsmitteln und im Pharmabereich, gepunktet. Wirtschaftsforscher erwarten für 2013 einen Abbau des Außenhandelsdefizits.
  • Sparquote: Trotz dreijähriger Rezession und sinkender Kaufkraft zählen die Italiener weiterhin zu den eifrigsten Sparern in Europa. Die Sparquote ist nach drei rückläufigen Jahren seit 2012 wieder leicht angestiegen. Wirtschaftsexperten erwarten 2014 eine Sparquote von 9,3 Prozent, die bis 2016 auf 10,6 Prozent des verfügbaren Einkommens zunehmen soll. Immobiliensparen ist derzeit out, Fondssparen in.
  • Korruption: Laut einem EU-Bericht macht die in Italien betriebene Korruption mit 60 Milliarden Euro die Hälfte der im ganzen EU-Raum getätigten Korruption aus. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 15.2.2014)
  • Matteo Renzi muss beweisen, dass er Italiens zahlreiche Probleme lösen kann.
    foto: reuters/gentile

    Matteo Renzi muss beweisen, dass er Italiens zahlreiche Probleme lösen kann.

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