Musikalische Erbfolge

14. Februar 2014, 19:22
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DeeDee Bridgewater, eine der führenden Jazzsängerinnen der Gegenwart, gastiert in Wien. Ihre Tochter China Moses tritt in St. Pölten auf

Wien / St. Pölten - "Nachdem Ella Fitzgerald starb, war ich fünf Jahre lang mit ihr verheiratet. Erst dann konnte ich weitergehen." So pointiert räsonierte DeeDee Bridgewater einmal im Interview mit dem Standard über einen entscheidenden Punkt ihrer Karriere: das 1997 veröffentlichte Album Dear Ella.

Das mediale Bild der Sängerin aus Memphis, Tennessee, war jahrelang auf das der Fitzgerald-Erbin festgelegt. 15 Jahre später sind mediale Image-Zwangsjacken aber kein Thema mehr. Bridgewater, die zuletzt die in Mali mit westafrikanischen Musikern aufgenommene CD Red Earth (2007) und die Billie-Holiday-Hommage Eleonora Fagan - To Billie With Love (2010) vorgelegt hat, ist selbst zur Marke und zu einer der führenden Sängerinnen des Gegenwartsjazz geworden. Nicht zuletzt dank des juvenilen Charmes, mit dem auch die heute 63-Jährige noch ihr Publikum singend, plaudernd und tanzend zu überrumpeln pflegt.

Dass Bridgewater, die weltweit große Konzertsäle füllt, nun für zwei Abende im Porgy & Bess gastiert, bietet die seltene Möglichkeit, die Frau mit der begnadeten Bühnenpräsenz ganz nah zu erleben - und bedeutet eine Auszeichnung für den Club.

Bridgewaters Vorbild hat längst Schule gemacht - auch in der Familie. Tochter China Moses fühlte sich ebenfalls zur Jazzsängerin berufen. Als musikalische Ziehmütter der 36-jährigen Wahlpariserin gelten Dinah Washington und Nina Simone, deren Geist sie mit hörenswert dunkler, sinnlicher Stimme und ebenfalls selbstbewusstem Rampentalent beschwört.

Am Samstag wird China Moses dies in St. Pölten demonstrieren. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. (Andreas Felber, DER STANDARD, 15.2.2014)

  • DeeDee Bridgewater: 16., 17. 2., Wien, Porgy & Bess, 20.30, www.porgy.at
  • Eine große Jazzvokalistin hat gleich selbst für eine würdige Nachfolgerin gesorgt: DeeDee Bridgewater (li.) und ihre Tochter China Moses.
    fotos porgy & bess; benoit peverelli

    Eine große Jazzvokalistin hat gleich selbst für eine würdige Nachfolgerin gesorgt: DeeDee Bridgewater (li.) und ihre Tochter China Moses.

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