Verlieben und verlieren

14. Februar 2014, 16:26
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Die Österreicher werden zum Valentinstag 22 Millionen Euro für ihre Liebsten ausgeben, so man diesen Umfragen Glauben schenken darf. Aber was man auch ohne Zahlen der Wirtschaftskammer belegen kann: Die Liebe ist den Menschen etwas wert. So wertvoll Emotionen im Zwischenmenschlichen sind, so schnell entpuppen sie sich bei Finanzentscheidungen als kostspielige Venusfalle.

Die Liebe etwa hat aus so manchem Depot eine Deponie gemacht. Immer wieder verlieben sich Anleger auf der Suche nach dem einzig wahren Investment. Doch die sicheren, ertragreichen und eierlegenden Wollmilchinvestments zeigen nach der Phase der Verliebtheit oftmals ihre unschöne Fratze.

Ein Beispiel: Nach vier Jahren mit zweistelligen Renditen mauserten sich die einst gemiedenen und als pure Spekulation abgekanzelten Schwellenländer ab 2007 zu den Lieblingen in den Portfolios. Aktien aus Indien, China oder Brasilien, ob über Fonds, Zertifikate oder direkt, landeten in den Depots privater und professioneller Anleger. Jeder schmückte sich gern mit den Wachstumsbringern von morgen - vor allem aber mit den Gewinnbringern von gestern. Das Problem: Zuerst kamen die tollen Erträge (plus 160 Prozent bis 2006), dann erst die Investments. Die "Loved Assets", die Gewinner der vergangenen Jahre, lassen sich gut von den Finanzvertrieben verkaufen. Findige Gurus wie Jim O'Neill von Goldman Sachs taten ihr Übriges, als sie marketingtaugliche Kurzformeln wie Bric (für Brasilien, Russland, Indien und China) an die Anleger brachten.

Es ist aber nicht nur so, dass Privatanleger auf gute Marketingkampagnen hereinfallen. Auch Portfoliomanager verlieben sich gerne in eine Aktie. Dieser Effekt ist durch viele Studien gut dokumentiert. Hat ein Fondsmanager erst einmal viel Zeit verwendet, um sich mit einem Unternehmen auseinanderzusetzen, tut er sich schwer, das Unternehmen wieder abzustoßen, wenn es in Schwierigkeiten gerät. Auch bei der Geldanlage gibt es die rosarote Brille, durch die das Risiko hinter den hohen Renditen nicht gesehen wird.

Damit ist der Valentinstag als Tag der Liebenden ein guter Start für eine Finanzmarktkolumne. Entscheidungen in Geldfragen werden oft emotional getroffen, aus Angst oder Gier. Doch der perfekte Ratgeber ist die nüchterne Betrachtung der Renditeaussicht, die anlässlich niedriger Zinsen aktuell trüb ist. Das Unvermögen, rationale Entscheidungen zu treffen, steht dem Aufbau eines Vermögens leider viel zu oft im Weg. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 14.2.2014)

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