Schifoan: Pistenritt mit Unfallfolgen

15. Februar 2014, 17:00
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Pistenbegeisterte kümmern sich oft nur um Wetter- und Schneelage. Doch ein Blick in die Versicherungsunterlagen ist ratsam

"Schifoan is' des Leiwandste, was ma si nur vurstölln kann", lautet die Ski-Hymne von Wolfgang Ambros. Auf zwei Brettern die weißen Hänge hinunterzugleiten ist in Österreich Volkssport. Aber auch immer mehr Gäste aus dem Ausland drängen auf die heimischen Berge. Rund 60 Millionen Nächtigungen verbucht Österreich derzeit in den Wintersaisonen. Obwohl das Unfallrisiko auf heimischen Pisten in den letzten zehn Jahren um mehr als zehn Prozent zurückgegangen ist, wurden in der vergangenen Saison rund 50.000 Unfälle gezählt. Dann stellt sich schnell die Frage nach den Kosten und der Haftung - und hier lauern einige Fallstricke.

"Beim Autofahren ist es unvorstellbar, dass man ohne Haftpflichtversicherung unterwegs ist. Beim Skifahren ist das anders", sagt Josef Graf, Vorstand der EFM Versicherungsmakler. In Österreich und Deutschland hätten zwar rund 80 Prozent der Leute eine Haftpflichtversicherung im Rahmen ihrer Haushaltsversicherung, "aber weit mehr als die Hälfte der ausländischen Gäste hat so eine Versicherung nicht", warnt Graf. Zum Problem wird das dann, wenn aus einem Unfall Ansprüche entstehen und die Gegenseite - mangels Versicherung - das nicht decken kann.

Graf rät daher, die eigene Haftpflichtversicherung um eine sogenannte exzedente Ausfallsversicherung zu erweitern. Dann würden nicht nur Schäden gedeckt, die von der Gegenseite getragen werden müssten - auch eigene Kosten sind besser gedeckt.

Dennoch gibt es Punkte, die gesondert betrachtet gehören:

Abseits der Piste: Ob die eigene Haftpflichtversicherung zahlt, wenn ein Unfall abseits der Piste passiert, ist nicht klar geregelt. Eine automatische Deckung gibt es meist nicht, weil Freeriding oft ausgenommen ist. Eine klare Rechtsprechung vom Obersten Gerichtshof gibt es für solche Fälle laut Graf noch nicht. In jedem Fall rät der Versicherungsexperte, solche Vorhaben der Assekuranz vorab zu melden, um gegebenenfalls den Haftungsrahmen zu erweitern.

Alkoholeinfluss: Wer alkoholisiert einen Unfall verursacht, sollte seine Policen genau kennen. Oft gibt es einen Spielraum von 0,8 bis 1,3 Promille, innerhalb derer die Haftungen gedeckt sind. Andernfalls könnte es kritisch werden.

Schutzbekleidung: Helmpflicht gibt es derzeit nur für Kinder- und Jugendliche bis zum vollendeten 15. Lebensjahr. Zudem fällt diese Regelung unter das Landesgesetz und ist daher nicht in jedem Bundesland gleich. Im Fall kann die Versicherung auf eine Vorschrift pochen. Für Graf gibt es hier noch viel zu wenige klare Regelungen.

Diebstahl: Wer nach dem Einkehrschwung nicht mehr weiterfahren kann, weil seine Skier gestohlen wurden, hat Pech. Das deckt die Haftpflicht- bzw. Haushaltsversicherung nicht. Hier sei es laut Graf am besten, gleich beim Skikauf beim Händler eine Diebstahlsversicherung für zwei Jahre abzuschließen. Dann sei das Modell ohnehin nicht mehr das neueste und locke Diebe nicht mehr an. Helfen kann auch, die Skier nicht direkt nebeneinander abzustellen.

Zu klären sei in jedem Fall, ob alle Familienmitglieder in die Haftpflichtversicherung fallen. Zu achten ist hierbei auf Altersgrenzen für Kinder und Jugendliche. Die Haftpflichtversicherung hilft aber nur, um die Schäden des Gegenübers zu decken. Wird man bei einem Unfall, den man selbst verursacht, ebenfalls verletzt, stellen sich die Fragen nach:

Abtransport: Dieser ist zu 98 Prozent selbst zu bezahlen. Ein Helikopter-Einsatz schlägt mit bis zu 5000 Euro zu Buche. Hier hel- fen private Unfallversicherungen. Auch via Mitgliedschaft bei Autofahrerclubs kann hier eine Deckung vorliegen.

Operation: Die Kosten dafür werden von der Krankenversicherung getragen.

Rehabilitation hier wird es kritisch, weil einige Bereiche nur durch eine zusätzliche Unfallversicherung oder Privatversicherung gedeckt sind. Das Gleiche gilt für den Fall, dass ein längerer Einkommensausfall bevorsteht.

In Summe werde das Risiko auf der Piste unterschätzt, sagt Graf. Auch weil die Sportgeräte, etwa Carving-Skier, immer professioneller würden, das Fahrkönnen meist aber nicht. "Das ist so, als hätte jeder plötzlich einen Ferrari." (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 14.2.2014)

  • Die Sportgeräte, etwa Carving-Skier, werden immer professioneller, das Fahrkönnen meist aber nicht.
    foto: ap/schaad

    Die Sportgeräte, etwa Carving-Skier, werden immer professioneller, das Fahrkönnen meist aber nicht.

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