Ressel, Doppler & Co: Angewandte Forschung

20. Februar 2014, 17:00
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An nach zwei großen österreichischen Erfindern benannten Institutionen betreiben Universitäten und Fachhochschulen, unterstützt von der öffentlichen Hand, gemeinsam mit Unternehmen Forschung. Dabei gibt es nur geringe Unterschiede bei den Anforderungen

Lehre und Forschung sind die zwei Standbeine von Hochschulen. Und für die Forschung an Fachhochschulen gilt - ähnlich wie für deren Bildungsauftrag - eine starke Anwenderorientierung, während an den Universitäten die Grundlagenforschung im Zentrum steht. Die Grenzen zwischen anwendungsorientierter Forschung und Grundlagenforschung sind zwar manchmal fließend, haben aber Auswirkungen auf die finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand.

Seit Jahren fordern die Fachhochschulen eine ähnliche Basisfinanzierung für Forschung, wie es sie an Universitäten gibt. Die Art der Forschung werde hier aber als Argument dagegen vorgebracht. Denn, so die Universitäten, für angewandte Forschung würde es auch für sie kein Geld geben.

Finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand gibt es für Universitäten und Fachhochschulen aber in Form von Public- Private-Partnership-Modellen. An den Unis heißen die so geförderten Forschungsprojekte Christian-Doppler-(CD-)Labor, an den Fachhochschulen werden sie Josef-Ressel-(JR-)Zentren genannt.

Bei den Anforderungen gibt es nur geringfügige Unterschiede. Beide Fördermodelle verbinden Wirtschaft mit Wissenschaft und sollen die Innovationskraft und damit auch die Wirtschaftsleistung Österreichs stärken. Unterschiede betreffen zum einen die Laufzeit - im CD-Labor beträgt sie maximal sieben Jahre, in den JR-Zentren maximal fünf Jahre -, zum anderen auch die Größe der Forschungsgruppe. An den Unis soll diese maximal 15 Personen, an den FHs maximal zehn Personen umfassen. An den Unis wird anwendungsorientierte Grundlagenforschung auf hohem Niveau, an den FHs nur anwendungsorientierte Forschung auf hohem Niveau gefördert.

Unterschiede gibt es aber auch beim maximalen jährlichen Fördervolumen. Christian-Doppler-Labore können mit bis zu 700.000 Euro jährlich, Josef-Ressel-Zentren mit bis zu 400.000 Euro jährlich gefördert werden. Damit man der Grundlagenforschung gerecht werden kann, bieten CD-Labore Wissenschaftern einen Freiraum im Umfang von 30 Prozent der Ressourcen, die unabhängig von unmittelbaren Interessen der Unternehmenspartner sind.

Seit 2012 werden beide Forschungsförderungen von der Christian-Doppler-Forschungsgesellschaft abgewickelt. Thematisch gibt es keine Einschränkungen. Wichtig sei das gemeinsame Forschungsprojekt von Unternehmen und Hochschule, eingereicht werde für beide Fördermodelle durch den jeweiligen Forschungsleiter der Uni bzw. der Fachhochschule.

Im Oktober waren 70 CD-Labore mit rund 650 Mitarbeitern aktiv. An die 125 Unternehmen aus dem In- und Ausland waren in die Forschung involviert, darunter rund ein Drittel kleine und mittelständische Unternehmen.

An den Fachhochschulen wurden in einem Pilotprojekt die ersten Ressel-Zentren 2008 an den FHs in Oberösterreich, Burgenland und Vorarlberg eingerichtet. Derzeit wird in insgesamt vier Ressel-Zentren an Fachhochschulen geforscht. Das jüngste wurde an der FH Vorarlberg eingerichtet. Gemeinsam mit der High Q Laser GmbH in Rankweil wird Materialbearbeitung mit ultrakurz gepulsten Laserquellen erforscht. Ein fünftes wurde bereits genehmigt.

Mit jährlich drei weiteren Josef-Ressel-Zentren sowie zehn bis zwölf Christian-Doppler-Laboren rechnet die Christian-Doppler-Gesellschaft. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 15./16.02.2014)

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