Private Smartphones treten in der Nacht in den Dienst der Wissenschaft

15. Februar 2014, 12:59
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Neue App soll Prozessorleistung von Handys und Tablets für Analyse von Eiweißsequenzen zur Verfügung stellen

Wien/Seoul - Ein Smartphone ist im Grunde ein leistungsfähiger Computer im Kleinformat. Während des Tages mit allerlei Aufgaben beschäftigt, liegt sein Potenzial in der Nacht brach - eine Verschwendung von Ressourcen, finden Wissenschafter und wollen die Rechenpower von Handy und Tablet für wissenschaftliche Zwecke anzapfen. Experten haben nun eine App vorgestellt, die die Prozessorleistung dieser Geräte in den Nachtstunden der Forschung zur Verfügung stellt: "Power Sleep" ähnelt einem Wecker, in der "Schlafzeit" wird die Rechenleistung für die Erstellung einer von Forschern der Uni Wien entwickelten Proteindatenbank genutzt.

Die Nutzung der von Samsung entwickelten Android App ist einfach: Vor dem Schlafengehen wird eine Weckzeit eingestellt - anschließend erhält das Smartphone bzw. Tablet ein Datenpaket, das es berechnet. Voraussetzung für die Nutzung ist, dass das Gerät angesteckt und voll aufgeladen ist. In der Grundeinstellung wird die App nur über WLAN genutzt, auf Wunsch kann auch der 3G-Modus aktiviert werden. "Die App nutzt ausschließlich Hardware und hat keinen Zugriff auf Bilder, Nachrichten oder Kontakte", so der IT- und Mobile-Chef von Samsung Electronics Austria, Martin Wallner, bei einer Pressekonferenz in Wien.

Berechnungen von Eiweißsequenzen

Genutzt wird die Rechenleistung für die Forschungsdatenbank von Thomas Rattei, seit 2010 Professor für Bioinformatik an der Uni Wien. Diese Disziplin beschäftigt sich mit der Analyse der in der modernen Biologie anfallenden Daten. Rattei selbst sammelt Daten über Eiweißsequenzen. "In den letzten Jahren ist deutlich geworden, dass ein Eiweiß allein keinen ausreichenden Zugang erlaubt, um Krankheiten zu verstehen bzw. Therapien zu entwickeln." Es gehe darum, das große Netzwerk an Proteinen im Körper besser zu verstehen.

Jeden Tag würden weltweit 60.000 neue Proteinsequenzen entdeckt, so Rattei: "Diese müssen schnellstens der Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden." Darum geht es bei seiner Datenbank SIMAP: Proteine müssen zunächst einmal verglichen werden - in der Datenbank werden dann jene festgehalten, bei denen dies bereits geschehen ist.

Ressourcen-Auslagerung

Hier kommt nun "Power Sleep" ins Spiel: Die Proteine werden in kleine Datenpakete gepackt - pro Tag ca. eine halbe Million Pakete mit einer Größe von je etwa einem Megabyte. Zur Aktualisierung brauche man permanent Rechenleistung, die aber problemlos auf viele kleine Computer ausgelagert werden kann. Auf einem Smartphone kann eines dieser Datenpakete in etwa 30 Minuten berechnet werden. Die Ergebnisse werden dann gefiltert, die wenigen für die Forschung wichtigen Resultate kommen in die Datenbank.

Das Potenzial ist laut Wallner groß: "Rund sieben Millionen Smartphones liegen in Österreich auf dem Nachtkästchen." Rattei zeigte sich auch offen für eine iPhone-App. "Wir sind sehr interessiert daran. Wir haben aber bisher keinen Partner für die Entwicklung gefunden." Die Nutzungsmöglichkeiten seien unbeschränkt: Selbst wenn die halbe Million an einem Tag anfallenden Datenpakete verteilt seien, könne die Rechenleistung der Smartphones etwa für die Erstellung besserer Algorithmen für die Sortierung der Proteine genutzt werden. (APA/red, derStandard.at, 15.02.2014)

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