Vulkanausbrüche in den Tropen bescheren Europa "Jahre ohne Sommer"

16. Februar 2014, 14:03
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Studie zeigte: Partikel in der Stratosphäre schwächt Sommermonsun und verlagert Tiefdruckgebiete über dem Atlantik nach Süden

Bern - Große Vulkanausbrüche in den Tropen haben indirekten Einfluss auf das Wettergeschehen in Europa: Kommt es beispielsweise in Asien zu heftigen Eruptionen, ist in unseren Breiten mit kalten, verregneten Sommern zu rechnen. Warum das so ist, hat nun eine Gruppe von Wissenschaftern unter schweizerischer Leitung herausgefunden. Die Forscher analysierten Vulkanausbrüche der vergangenen 400 Jahre und fanden dabei heraus: Der vulkanische Auswurf schwächt den Sommermonsun in Afrika und Asien ab.

Historische Aufzeichnungen belegen, dass starke tropische Vulkanausbrüche oft zu "Jahren ohne Sommer" in Mitteleuropa führten. Zuletzt war das 1816 nach dem Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien der Fall, damals starben auch in der Schweiz viele Menschen den Hungertod.

Rätselhafter Regen

Zwar sei bekannt, dass Vulkanausbrüche zu einer Klimaabkühlung führen. Woher aber der zusätzliche Regen kommt, sei unklar gewesen. Ein Team um Stefan Brönnimann vom Oeschger Zentrum für Klima- und Klimafolgenforschung der Uni Bern hat nun die Auswirkungen von 14 starken tropischen Eruptionen der vergangenen 400 Jahre auf das Klima in Europa und die Monsunregionen untersucht.

Das Fazit: Schwankungen im afrikanischen Monsun könnten für die Regensommer verantwortlich sein, wie die Forscher im "Journal of Climate" berichteten. Durch die Ausbrüche seien große Mengen winziger Partikel in die Stratosphäre gelangt, die das einfallende Sonnenlicht abschirmten. Dies habe zu einem Temperaturabfall geführt, der über den Kontinenten stärker sei als über den Ozeanen.

Tiefdruckgebiete wandern nach Süden

Als Folge habe sich der Sommermonsun in Afrika und Asien abgeschwächt. Das habe nicht nur zu Dürren im Sahelraum geführt, sondern auch die Tiefdruckgebiete über dem Atlantik nach Süden verlagert, was die Gewitterbildung verstärkte. Dadurch regnete es im südlichen Mitteleuropa und dem nördlichen Mittelmeerraum mehr, was zum Beispiel für das Jahr 1816 charakteristisch war.

"Die Studie zeigt, wie sich weit voneinander entfernte Orte gegenseitig klimatisch beeinflussen können", erklärt Brönnimann. Dies könne zum Beispiel bei derzeit diskutierten Plänen, den Klimawandel durch die künstliche Zufuhr von Partikeln in die Stratosphäre zu bremsen, von Bedeutung sein. Denn das könnte ebenfalls die Monsunsysteme beeinflussen. (APA/red, derStandard.at, 16.02.2014)

  • Vulkanausbrüche in den Tropen beeinflussen über Umwege das sommerliche Wettergeschehen in Europa: Die Temperaturen sinken und der Regen nimmt zu.
    foto: ap photo/the hays daily news, steven hausler

    Vulkanausbrüche in den Tropen beeinflussen über Umwege das sommerliche Wettergeschehen in Europa: Die Temperaturen sinken und der Regen nimmt zu.

  • Der Grund dafür sind Tiefdruckgebiete über dem Atlantik, die sich dank abgeschwächtem Sommermonsun nach Süden verlagern, was wiederum die Gewitterbildung verstärkt.
    grafik: s. brönnimann, universität bern

    Der Grund dafür sind Tiefdruckgebiete über dem Atlantik, die sich dank abgeschwächtem Sommermonsun nach Süden verlagern, was wiederum die Gewitterbildung verstärkt.

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