"Pokerspieler mit gutem Geschmack"

14. Februar 2014, 12:32
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Innert acht Tagen wurden in London Kunstwerke zum Gegenwert von mehr als einer Milliarde Dollar versteigert

Am späten Donnerstagabend war es so weit: Da knackte die Londoner Auktionsszene die Ein-Milliarden-Dollar-Hürde. Ein historischer Moment. Niemals zuvor wechselten innert acht Tagen Kunstwerke zu solchen Werten den Besitzer. Die mehr als passable Sause der Sparte Impressionist & Modern Art von vergangener Woche (Christie's: 320,7 Mio. Dollar; Sotheby's: deren 345,3 Mio.) sollte dieser Tage mit Kunst der Generation Postwar und Contemporary noch übertroffen werden.

Zum Auftakt verteilte Phillips rund 85 Prozent seines Angebotes zum Gegenwert von 15 Millionen Pfund (24,45 Mio. Dollar). Dann stand bei Christie's (11. 2.) Arte povera im Mittelpunkt, konkret die Sammlung (Eyes Wide Open) der italienischen Modeschöpferin Marina Fossati. Für 13 Kunstwerke notierte man neue Weltrekorde: darunter 4,67 Millionen Pfund, die sich der Kunsthändler David Nahmad Alberto Burris Combustione plastic kosten ließ.

Zwischendurch wanderte der Tross Richtung Sotheby's: Auch dort fischte sich Nahmad einen Burri aus dem Angebot (Rosso Plastica, 3,66 Mio. Pfund), Lucian Freuds Head on a Green Sofa (2,99 Mio. Pfund) überließ er hingegen einem Kollegen. Den höchsten Zuschlag des Abends bewilligte ein europäischer Telefonbieter, für Gerhard Richters Wand (1994) bei 17,44 Millionen Pfund. Nach zwei Auktionstagen hatte Sotheby's 172,14 Millionen Dollar (104,52 Mio. Pfund) beisammen.

Der krönende Abschluss der Woche war Christie's vorbehalten, auch weil sich im Vorfeld erteilte Garantien als entbehrlich erwiesen. Etwa für ein abstraktes Bild von Gerhard Richter (19,57 Mio. Pfund), aber vor allem für das Highlight der Woche: Francis Bacons Portrait of George Dyer Talking. Nach einem zähen Bietgefecht setzte sich Brett Gorvy namens eines Telefonbieters gegen sechs Konkurrenten durch.

Wer 70 Millionen Dollar (42,19 Mio. Pfund) für das Gemälde von 1966 springen ließ? Nun, Amerikaner sei er, "und ein ausgezeichneter Pokerspieler mit gutem Geschmack", sehr viel mehr wollte der Christie' s-Contemporary-Chef nicht verraten. (kron, DER STANDARD, 15.2.2014)

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    foto: christie's
  • Gerhard Richters "Wand" (mitte) wechselte Mittwochabend bei Sotheby's in London für stattliche 21,22 Millionen Euro (17,44 Mio. Pfund) in europäischen Privatbesitz. Für Andy Warhols "Mao" (links im Hintergrund) bewilligte ein Privatsammler 9,23 Millionen Euro (7,58 Mio. Pfund) und Alberto Burris "Rosso Plastica" wanderte für 4,46 Millionen (3,66 Mio. Pfund) in den Kunsthandel ab.
    foto: reuters/luke macgregor

    Gerhard Richters "Wand" (mitte) wechselte Mittwochabend bei Sotheby's in London für stattliche 21,22 Millionen Euro (17,44 Mio. Pfund) in europäischen Privatbesitz. Für Andy Warhols "Mao" (links im Hintergrund) bewilligte ein Privatsammler 9,23 Millionen Euro (7,58 Mio. Pfund) und Alberto Burris "Rosso Plastica" wanderte für 4,46 Millionen (3,66 Mio. Pfund) in den Kunsthandel ab.

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