FMA startet anonyme Whistleblower-Website

14. Februar 2014, 12:11
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Viele Hinweise erwartet - Kumpfmüller: Plattform nicht für "Vernaderung, sondern für Bewusstseinsschärfung"

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat im Rahmen der EU-Bankenrichtlinie ein Whistleblower-System einrichten müssen. Seit Jahresbeginn gab es eine Telefon-Hotline, nun wird sie von einer eigenen Website ersetzt. Gedacht ist die Plattform für Personen, die Missstände, Risiken und Verstöße von Banken, Versicherungen oder Wertpapiergesellschaften anonym melden wollen.

"Wir rechnen mit einer großen Anzahl von Hinweisen", sagte FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller am Freitag vor Journalisten in Wien. Es gehe bei der Whistleblower-Website "nicht um Vernaderung, sondern um Bewusstseinsschärfung in Bezug auf Missstände". Bisher sind bei der Finanzmarktaufsicht jährlich "mehrere hundert Hinweise und Anfragen" per Post, E-Mail und Telefon eingegangen.

Bisher 13 Hinweise per Telefon

Bei der seit Anfang Jänner aktiven anonymen FMA-Telefonhotline sind bisher 13 Hinweise eingegangen, davon waren fünf substanziell. Von Whistleblowern gemeldet wurde bisher eine Sicherheitslücke im IT-System eines Internet-Finanzdienstleisters, zwei Geldwäscheverdachtsmeldungen aus Osteuropa, irreführende Werbung und "gravierende Mängel" bei einer Pensionskasse. Strafrechtliche Sachverhalte werden von der FMA an die zuständigen Behörden weitergeleitet.

Anonymer Postkasten

Die Whistleblower-Homepage der FMA soll den Informanten "absolute Sicherheit" gewähren. Der Hinweisgeber kommuniziert mit der Finanzmarktaufsicht über eine verschlüsselte Verbindung via einem BKMS-Server in Deutschland. Der Datenschutz ist durch die Anonymisierung von personenbezogenen Daten gegeben. Die Datenschutzkommission hat auch grünes Licht für das Projekt gegeben. Bei Interesse kann der Hinweisgeber sich auf der Website einen elektronischen "Postkasten" einrichten und weiter anonym mit der FMA kommunizieren.

Die heimischen Banken haben auch im Rahmen der EU-Bankenrichtlinie per 1. Jänner ein Whistleblower-Hinweisgebersystem einrichten müssen. Laut FMA haben die Banken bisher telefonische Hotlines eingerichtet.

Gute Erfahrungen bei Staatsanwaltschaft

Die zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftskriminalität und Korruption (WKStA) hat mit ihrer Whistleblower-Website bisher gute Erfahrungen gemacht: Seit dem Start am 20. März 2013 wurden bis Jahresende mehr als 1.000 Hinweise abgeben, davon 785 über den Internet-Postkasten. Rund 60 Prozent der Hinweise hat zu weiteren Ermittlungen geführt.(APA, 14.02.2014)

  • Über einen anonymen Postkasten kann die Kommunikation fortgesetzt werden.
    foto: screenshot

    Über einen anonymen Postkasten kann die Kommunikation fortgesetzt werden.

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