Unis wollen mit Familienfreundlichkeit mehr Spitzenforscher anlocken

14. Februar 2014, 09:37
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Unterstützung für Partner von Topforschern bei Berufsplanung und Suche nach Kinderbetreuung

Wien - Die Berufung internationaler Spitzenforscher scheitert in Österreich immer wieder daran, dass es für deren Partner keine adäquate (wissenschaftliche) Stelle gibt. Hochschulen bauen nun vermehrt Netzwerke auf, um die Partner von Topforschern bei der Suche nach einer Stelle und Kinderbetreuung zu unterstützen. Auch abseits dieser Initiativen versuchen die Unis, familienfreundlicher zu werden.

Unter dem Titel Dual Career Service werden die Partner von Forschern betreut, die über einen Wechsel an eine österreichische Hochschule oder Forschungseinrichtung verhandeln: Die Beratungsstellen helfen bei der Suche nach einer adäquaten Stelle an der jeweiligen Institution oder anderen Unis bzw. in der Privatwirtschaft. Auch bei der Bewerbung gibt es Unterstützung. Jobgarantie wird dabei freilich keine abgegeben. Zum Service gehört außerdem Beratung bei Wohnen, Kinderbetreuung oder Schule.

Meistens Frauen

Jüngstes Beispiel ist das Dual Career Service Wien - Niederösterreich - Oberösterreich, in dem sich auf Initiative der Task Force Gender & Diversity der Universitätenkonferenz (uniko) acht Wiener Universitäten, Uni sowie Kunstuni Linz und Donau-Uni sowie Landsteiner-Privatuni in Krems zusammengeschlossen haben. Wird uniübergreifend eine Stelle gesucht, gibt es Unterstützung vom Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF). Dieser versucht über seine Kontakte in Wien auch dann bei der Jobsuche zu helfen, wenn der zu vermittelnde Partner etwa Arzt oder Lehrer ist, erklärt Geschäftsführer Michael Stampfer.

Zielgruppe der Maßnahmen sind die Partner von Forschern ab Senior-Postdoc-Niveau, die etwa für die Leitung einer Forschungsgruppe geholt werden. Ein "erklecklicher zweistelliger Anteil" ist dabei laut Stampfer selbst in der Wissenschaft aktiv. Das Service wird entweder bereits im Zuge der Verhandlungen angeboten oder wenn die Forscher bereits in Österreich sind und den Partner nachholen wollen. Da Männer unter Professoren noch immer überrepräsentiert sind, werden in der Praxis derzeit meist Frauen beraten.

An den fünf steirischen Unis setzt man bereits seit Frühjahr 2010 auf Dual Career Service. Ohne dieses Angebot sei man im Nachteil, betont Renate Dworczak, Vizerektorin der Uni Graz."Führungskräfte können sich erwarten, dass man sich um sie bemüht." An den steirischen Unis richtet sich das Service dabei nicht nur an (angehende) Professoren, sondern auch an Führungskräfte im Verwaltungsbereich. In deutlich mehr als der Hälfte der Fälle waren die zu vermittelnden Partner selbst nicht Forscher, fasst Dworczak die ersten Erfahrungen aus dreieinhalb Jahren zusammen.

Partner wird bei Berufszusage mitgedacht

In der Steiermark wird das Dual Career Service auch als Instrument zur Frauenförderung verstanden. "Wir haben bei der Berufung von Frauen festgestellt, dass diese sich viel mehr Gedanken darüber machen, was mit dem Partner passiert." An der Technischen Uni (TU) Graz habe es etwa Fälle gegeben, in denen Frauen ihre Berufungszusage zurückgenommen hätten, weil der Partner nicht schnell genug einen Posten finden konnte.

Ein wichtiger Teil des Angebots ist auch die Vermittlung von Kinderbetreuungsplätzen. Diesem Thema widmen die steirischen Unis generell viel Aufmerksamkeit, was laut Dworczak wohl auch mit der peripheren Lage zu tun hat. "Ich habe das Gefühl, dass wir uns ein bisschen mehr bemühen müssen." Neben dem Wettbewerb mit anderen Unis habe der Fokus auf Familienfreundlichkeit aber auch mit dem Menschenbild zu tun, betont Dworczak. So laufe etwa an der Uni Graz auch ein strategisches Projekt zu Work-Life-Balance. "Wenn ich weiß, dass die Kinder gut versorgt sind, ist das ein wesentlicher Aspekt um entspannt und konzentriert arbeiten zu können."

Vereinbarkeit umfasst auch Großeltern

Kindergarten bzw. -betreuung vor Ort oder Kooperation mit Angeboten in der Nähe bieten alle Unis schon länger an. Zusätzlich haben mehrere Unis einen Babysitterpool, aus dem kurzfristig flexible Kinderbetreuung organisiert werden kann, einige bieten darüber hinaus Ferienbetreuung für Kinder von Mitarbeitern und Studenten an. An der Uni Linz wird zusätzlich etwa auf Vernetzung von Mitarbeitern und Studenten gesetzt, die sich bei der Kinderbetreuung unterstützen. Weitere Angebote drehen sich um die Anbindung von Mitarbeitern während der Karenz bzw. Weiterbildungsmöglichkeiten während dieser Zeit. An der Medizin-Uni Wien sind unter Vereinbarkeit von Beruf/Studium und Familie neben (gleichgeschlechtlichen) Partnern auch Geschwister, Großeltern und pflegebedürftige Angehörige eingeschlossen.(APA, derStandard.at, 14.02.2014)

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