Wie Google strikte Kontrolle über "sein" Android ausübt

14. Februar 2014, 09:15
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Neue Dokumente offenbaren Verträge mit OEM-Herstellern - Wer Play Store will, muss viele Bedingungen eingehen

Wer eine eigene Androidversion veröffentlichen will, kann dies vergleichsweise einfach: Der Quellcode des mobilen Betriebssystems steht weitgehend offen zur Verfügung, und kann nach Belieben für die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Eine Stärke, die sich beispielsweise zahlreiche Community-Projekte zunutze machen.

Google Play

Deutlich komplizierter wird es für alle, die Android gerne mit Googles eigenem Play Store haben wollen, verbindet Google mit diesem Zugang doch strikte Regeln. Ein Umstand, der zwar schon bisher bekannt war, nun werden aber zum ersten Mal seit Android-Frühzeiten konkrete Details öffentlich. Und diese zeigen, dass Googles Kontrolle über die Dritthersteller noch stärker ist als bisher angenommen.

Gerichtsverfahren

So ist es dem Blogger Benjamin Edelman über Gerichtspapiere gelungen, an ursprünglich als streng geheim gekennzeichnete Abmachungen Googles mit Samsung und HTC zu kommen. Diese sind zwar nicht mehr ganz neu - beide datieren aus dem Jänner 2011, und wurden also kurz vor der Veröffentlichung von Android 3.0 unterzeichnet - geben aber trotzdem den bisher aktuellsten Blick auf die Android-OEM-Verträge.

Apps

Schon bisher bekannt war, dass wer den Play Store haben will, auch eine Reihe anderer Apps akzeptieren muss. Zum damaligen Zeitpunkt waren dies unter anderem die Google-Suche, Gmail, der Google Calendar, Google Talk (jetzt: Hangouts), Youtube, Google Maps, Street View und der Network Location Provider von Google - der auch von Haus aus genutzt werden muss. Andere Apps wie Google Earth werden in den Verträgen als optional bezeichnet.

Spekulation

Betrachtet man aktuelle Smartphones sind mittlerweile wohl noch einige weitere Einträge in die Liste der verpflichtenden Apps hinzugekommen. Darunter die gesamte Google Play Music/Movies/Newsstand/Books-Palette und der Browser Chrome. Vor allem aber auch die Google Play Services, über die Google mit den eigenen Cloud-Diensten verbundene Programmierschnittstellen jenseits großer Android-Updates laufend aktuell hält. Zusammengefasst fällt all dies unter die "Google Mobile Services".

Keine Fragmentierung

Doch damit enden die Verpflichtungen der OEM-Hersteller noch nicht. So müssen diese zustimmen, dass sie keinerlei Aktionen setzen, die eine Fragmentierung von Android befördern. Ganz konkret untersagt man etwa, angepasste Versionen des Software Development Kits zu vertreiben, oder andere dabei zu unterstützen.

Unverändert

Der Android-Hersteller verbietet zudem, dass Dritte die Google-Apps auf anderem Weg zugänglich machen oder diese in irgendeiner Weise modifizieren oder gar mit Werbung zu versehen. Auch dürfen die Hersteller die Auslieferung von Updates für die installierten Google-Apps nicht unterbinden, womit Google wohl sicher stellen will, dass die eigenen Services auf allen Geräten aktuell sind - unabhängig von der jeweiligen Androidversion.

Zahlen

Interessant auch, dass Google einige Regeln für das Aussehen des Homescreens festlegt. So muss das Google-Such-Widget zumindest am zweiten Homescreen zu finden sein, das gleich gilt für die Google-Play-Store-App. OEM-Hersteller sind darüberhinaus verpflichtet, alle sechs Monate detaillierte Verkaufszahlen zu liefern, dies sauber nach Geräten und Regionen aufgeteilt. Google hat hier also einen sehr genauen Einblick in die Hardwareverbreitung.

Drum prüfe...

Der Prüfprozess wird bei Google selbst vorgenommen, jeder Hersteller muss dafür vorab vier Geräte liefern. Ob ein Gerät abgesegnet wird, liegt alleine in der Hand von Google, ist dies nicht der Fall, darf es nicht auf den Markt kommen. Darüberhinaus sichert sich Google in der Vereinbarung das Recht zahlreiche der Regeln nachträglich nach Belieben zu ändern - was wohl nicht zuletzt dazu gedacht ist, um die Liste der verpflichtenden Apps und Services aktuell zu halten.

Neuauflage

Solch ein grundlegendes Lizenzabkommen, wie es in den veröffentlichten Papieren festgehalten ist, gilt auf zwei Jahre. Danach muss der Hersteller neu mit Google verhandeln. (apo, derStandard.at, 14.2.2014)

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    foto: andreas proschofsky / derstandard.at
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