Hormonell wirksame Chemikalie in Parfums und Rasierwasser

14. Februar 2014, 08:59
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Global 2000 warnt vor Gesundheitsrisiken - Beim Kauf von Kosmetika auf die Substanzen Parabene, Ethylhexyl Methoxycinnamate und Alcoholdenat achten

Wien - Global 2000 hat bei einer Untersuchung von 53 Parfums und Rasierwässern in sechs Produkten eine hohe Menge der hormonell wirksamen Chemikalie Diethylphtalat (DEP) gefunden. Die Substanz gelange über die Haut in den Blutkreislauf und könne zu erheblichen Gesundheitsrisiken führen, sagten Vertreter der Umweltorganisation bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien.

In Europa beiinhalten laut Global 2000 insgesamt zehn Prozent der Parfums DEP. Eine hohe Konzentration des Stoffes sei in den Düften "Davidoff, Cool Water", "David Backham Homme" sowie "24, Faubourg" gefunden worden. Im Niedrigpreissegment wiesen die Produkte "Denim, Black", "Gammon Magic Musk" vom Hersteller Beiersdorf und das vom Diskonter Hofer vertriebene Parfum "Cuore d'Oro" eine hohe Menge des kritisierten Inhaltsstoffs auf. In den anderen untersuchten Produkten wurden geringe oder gar keine Spuren der Chemikalie nachgewiesen.

Mögliche Auswirkungen von DEP können laut Global 2000 Fruchtbarkeitsstörungen bei Männern und Frauen, ein erhöhtes Risiko von Brust-, Hoden- und Prostatakrebs, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Adipositas, Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS und Autismus sowie verfrühte Pubertät sein. Andreas Lischka, Vorstand der Kinderklinik Glanzig, verwies diesbezüglich auf einen 2012 veröffentlichten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Besonders schädlich sei die Chemikalie für schwangere Frauen, weil der Stoff über die Haut in den Blutkreislauf gelange und somit die Entwicklung des Fötus beeinträchtigen könne.

Verbote gefordert

"Wir müssen Sofortmaßnahmen in Form von Verboten ergreifen", forderte Helmut Burtscher, Biochemiker bei Global 2000. Er appellierte an den Gesundheits- und den Umweltminister, in diesem Bereich mehr zu tun und vor allem in Brüssel klarer aufzutreten. Im internationalen Vergleich stehe Österreich zwar verhältnismäßig gut da, dennoch sei es "nicht akzeptabel", dass DEP-haltige Produkte immer noch erlaubt seien.

Bereits am 13. Dezember 2013 hätte die Europäische Kommission Maßnahmen zur Bestimmung von hormonell wirksamen Chemikalien vorlegen sollen. Die Prozesse auf EU-Ebene seien allerdings eingeschlafen, so Burtscher. Er vermutet dahinter eine gewisse Berechnung. So könne ein Verbot hormonell wirksamer Chemikalien möglicherweise die Verhandlungen über das geplante transatlantische Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA hemmen.

Inhaltsstoffe beachten

Auch der Handel ist laut Burtscher gefordert, dieser könne am schnellsten reagieren. Die Drogeriekette BIPA will beispielsweise mit der Eigenmarke "MY" bis Jahresende aus hormonell wirksamen Inhaltsstoffen aussteigen. Wer auf Produkte mit hormonell wirksamen Chemikalien wie DEP verzichten möchte, dem empfiehlt Burtscher beim Kauf von Kosmetika auf die drei Substanzen Parabene, Ethylhexyl Methoxycinnamate und Alcoholdenat zu achten. Wenn ein Produkt keinen dieser Stoffe enthalte, könne mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass hormonell wirksame Chemikalien darin sind. (APA, 14.2.2014)

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