Eurobarometer: "Wir sind nicht mehr Schlusslicht"

14. Februar 2014, 12:58
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Image der EU unter Österreichern leicht verbessert, Österreicher bleiben aber EU-skeptisch - Weniger als die Hälfte vertraut EU-Parlament

Die Stimmung der Österreicher gegenüber der EU hat sich leicht verbessert: "Wir sind nicht mehr das Schlusslicht, meine Damen und Herren", sagte Richard Kühnel, Vertreter der EU-Kommission in Österreich, die am Freitag das aktuelle Eurobarometer vorstellte. In der Umfrage (n=1032), die die Europäische Kommission in Halbjahresabständen erheben lässt, zeigt sich, dass die Stimmung der Österreicher in Bezug auf die EU sich leicht verbessert hat.

Vertrauen in die EU: Österreich im letzten Drittel

Dennoch stehen die Österreicher der EU großteils skeptisch gegenüber. Nur ein Viertel aller Österreicher hat ein positives Bild der Europäischen Union, demgegenüber haben 34 Prozent ein negatives. Bei der Frage nach dem grundsätzlichen Vertrauen in die EU liegt Österreich unter den EU-Mitgliedsstaaten im letzten Drittel.

Kühnel ortet die Gründe dafür unter anderem in der "Berichterstattung über die EU", die natürlich "von der Krise geprägt" gewesen sei. Nach Kühnels Einschätzung wird sich "mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation auch das Image der EU verbessern".

Ein deutlicher Unterschied besteht zwischen jüngeren und älteren Befragten. Während 37 Prozent der 15- bis 24-Jährigen ein positives Bild von der EU haben, gaben das nur 17 Prozent der über 55-Jährigen an.

Weniger als die Hälfte vertraut EU-Parlament

Das Vertrauen in die EU-Institutionen ist laut dem Bericht seit dem Frühjahr 2013 um vier Prozentpunkte auf 39 Prozent gestiegen und damit höher als im EU-Durchschnitt (31 Prozent). Im Umkehrschluss vertrauen aber noch immer weniger als 50 Prozent der Österreicher den EU-Institutionen. Nur 27 Prozent sind der Meinung, dass sich die EU in die richtige Richtung entwickelt.

Außerdem kennen die Österreicher die europäischen Institutionen besser als der EU-Durchschnitt. Ein halbes Jahr vor der Europawahl geben 95 Prozent aller Befragten an, schon einmal etwas über das Europaparlament gehört oder gelesen zu haben. Vor der vergangenen EU-Wahl 2009 waren das nur 87 Prozent. Auch die Europäische Kommission (94 Prozent) und die Europäische Zentralbank ( jeweils 94 Prozent) sind in Österreich mittlerweile nahezu allen ein Begriff. Die wichtigsten Informationsquellen sind dabei das Fernsehen und die Printmedien.

Bürokratie und Mitspracherecht

Die negative Wahrnehmung der EU bezieht sich stark auf die Themen Bürokratie und Mitspracherecht. 87 Prozent der Österreicher sind der Meinung, die EU erzeuge zu viel Bürokratie.

Nur 34 Prozent der Österreicher glauben, ihre Stimme zähle in der EU. Positiver sehen sie die Rolle der EU im globalen Kontext. 61 Prozent gaben an, die Stimme der EU zähle in der Welt. Das Bild der EU ist vor allem das einer Wirtschafts- und Währungsunion. Zwei Drittel aller Österreicher sprachen sich auch für diese aus und befürworten die einheitliche Währung.

Themen wie Klimawandel, Forschung und der Erhalt von Frieden werden dagegen kaum vermittelt. Die größten Erwartungen an Europa haben die Österreicher in die Bewältigung der Wirtschaftskrise.

Die präsentierten Zahlen seien hundert Tage vor der Europawahl "ein wichtiger Gradmesser", so Kühnel. Für das Eurobarometer wurden 1.032 Österreicher ab 15 Jahren im November 2013 persönlich befragt. (APA/red, derStandard.at, 14.2.2014)

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