Die Erinnerung an den verehrten Piraten

13. Februar 2014, 19:35
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Am 14. Februar 2004 starb in Rimini der letzte italienische Radheld, Marco Pantani

Rom/Wien - Im Februar ist Rimini kein guter Platz. Für einen, der unter Depressionen leidet, schon gar nicht. Marco Pantani, der aus Dopinggründen zwangsbeurlaubte und deshalb schwer depressive Radrennfahrer, den sie wegen seiner Kopfbedeckung "il pirata" und wegen seiner etwas abstehenden Ohren "Elefantino" nannten, hat sich vor zehn Jahren dennoch dafür entschieden.

Am 14. Februar 2004 wurde der letzte große Rad-Champion Italiens in einem Zimmer des februarnebeltristen Hotels "Le Rose" tot aufgefunden. Pantani war einer, dem die traditionell radaffinen Tifosi anhimmeln konnten, einer, der den Gegnern gerade in den Bergen sehr unwiderstehlich, aber eben nachweislich chemisch unterschleifend davongämste. 1998 gewann er Giro und Tour. 1999 holten die Dopingjäger den überlegen Führenden als Epo-Sünder aus dem Giro.

Der Tod des damals 34-Jährigen, im Wortsinn aus dem Sattel Geworfenen, wurde in der Autopsie als einer diagnostiziert, der sich einer Überdosis Kokain verdankt.

100 Gramm sei die gefundene Dosis gewesen, das Siebenfache des Tödlichen. Seine Eltern glauben aber nicht an einen Drogenunfall. Sie verlangen eine Neuaufnahme der Untersuchung in Richtung Mord. Die Familie Pantanis behauptet, der Radprofi sei gezwungen worden, das Kokain zu schlucken.

"Er ist getötet worden, weil er alles zum Thema Doping berichten wollte, was er wusste." Drei Drogendealer waren in Zusammenhang mit dem Todesfall zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden, einer davon wurde später freigesprochen.

Wie auch immer, der Tod des Verehrten ist in gewisser Weise auch ein geschäftlicher Selbstläufer geworden. Um die 50.000 Fans besuchen pro Jahr das Grab im heimatlichen Cesenatico. Dort gedenkt man seiner nun auch klarerweise; mit einer Bronzestatue. Ein Pantani-Dokumentarfilm wird in die Kinos kommen; eine von der Mutter diktierte Biografie in die Buchhandlungen. Im Namen Marcos: Das Herz einer Mutter, die Stimme eines Tifoso heißt sie. In gewisser Weise also lebt Marco Pantani noch. Mehr jedenfalls als der Radsport. (sid, wei; DER STANDARD, 14.2.2013)

  • Marco Pantani wurde nur 34 Jahre alt. Ein Film über sein Leben ist abgedreht.
    foto: reuters/gaillard

    Marco Pantani wurde nur 34 Jahre alt. Ein Film über sein Leben ist abgedreht.

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