Der Mensch, ein Mischwesen

14. Februar 2014, 10:36
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Ein Forscherteam hat den Stammbaum von 95 Populationen für die letzten 4000 Jahre rekonstruiert - Die Analysen zeigen, wie Migration und Vermischung die Menschheitsgeschichte prägen

Leipzig/Wien - "Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?" Das ist der Titel eines Gemäldes von Paul Gauguin, der das großformatige Werk 1897 in seiner selbstgebauten Hütte auf Tahiti fertigstellte und darauf Menschen verschiedenen Alters in variierenden Hautschattierungen abbildete.

Zumindest auf die erste Frage hat ein internationales Forscherteam mit einer neu entwickelten genetischen Farbpalette konkrete Antworten vorgelegt: Ihre unter www.paintmychromosomes.com zugängliche interaktive Weltkarte beschreibt detailliert die Geschichte der Vermischung von 95 Populationen aus Europa, Afrika, Asien und Südamerika.

Für die Karte und ihren im Fachblatt "Science" publizierten Artikel analysierten die Genetiker aus Leipzig, Oxford und London die DNA von 1490 weltweit lebenden Menschen. Aus diesen Daten konnten sie rekonstruieren, durch welche Wanderungsbewegungen in den vergangenen 4000 Jahren welche Mischungen entstanden.

Wenn man etwa die Genome heute lebender Maya malen würde, müsste man dafür eine gemischte Farbpalette, bestehend aus spanischer, westafrikanischer und indianischer DNA wählen, so die Forscher. Die Vermischung fand um 1670 statt. Bei den heute in China lebenden Tu wiederum lässt sich genetisch zeigen, dass um das Jahr 1200 Europäer griechischer Herkunft auf die chinesische Ethnie trafen.

Insgesamt entsteht ein Bild, das für nahezu alle Populationen Vermischungen zeigt. Das wiederum legt nahe, dass diese in der jüngeren Geschichte üblich waren und durch die ständige Migration von Menschen gefördert wurden. (red, DER STANDARD, 14.2.2014)

  • Die bunte Vielfalt der Menschheit geht auf unzählige Migrationen zurück.
    foto: apa/ epa/nic bothma

    Die bunte Vielfalt der Menschheit geht auf unzählige Migrationen zurück.

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