Hypo sorgt für Spott, Zorn und Hohn im Internet

13. Februar 2014, 17:46
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Das Hypo-Desaster und das Schweigen der Regierung sorgen für Empörung. Dieser wird in Blogs, Postings und Satirebeiträgen ausführlich Luft gemacht

Am Montag zeigte die Posting-Kurve scharf nach oben: Die Bankenlösung war gescheitert, die Steuerzahler würden Kosten für das Hypo-Desaster übernehmen müssen. Seitdem ist in den User-Foren des Standard der Teufel los. Mehr als 8000 Postings in den vergangenen Tagen zum Thema, Grundtenor: Empörung. "Wann gehen wir endlich auf die Straße ...", fragt User Schwedenbombe, "das ist unser Land und unser Geld!" Für besondere Aufregung sorgen das Management der Regierung und die mangelhafte Aufklärung.

Auch in den Social-Media-Kanälen des Internets gehen die Wogen hoch. Dass sich Bundeskanzler Werner Faymann der Öffentlichkeit entzieht und zur Abwicklung der Hypo schweigt, den Rodlern per Aussendung aber zu Olympia-Silber gratuliert, wird tausendfach kritisiert. Das Cover der Presse mit dem Foto der leeren Rednerpulte im Ministerrat und dem Titel "Wir hätten noch ein paar Fragen" wird auf Facebook eifrig geteilt.

Auch Kommentare aus dem Standard werden auf Twitter und Facebook weitergereicht und intensiv diskutiert. Kein anderes politisches Thema wird öfter kommentiert. Selbst die im Zoo geschlachtete Giraffe stinkt ab. Der Journalist Peter Rabl stellt in seinem Blog die Frage: "Was machen wir Bürger jetzt eigentlich mit der skandalösen #Hypo-Lösung auf unsere ganz realen Kosten? Ist Widerstand machbar?" Der Grüne Michel Reimon geht in seinem Blog darauf ein: "Besetzt das Finanzministerium. Nicht für zehn Minuten, sondern bis der Finanzminister Auskunft gibt, wer die Milliarden bekommt. Blockiert das Bundeskanzleramt. Protestiert vor den zweimal acht Parteizentralen in den Bundesländern draußen, dort, wo wirklich die Macht in den Regierungsparteien daheim ist. Protestiert vor Banken ... Es geht um eure politische Macht. Macht kommt von machen. Also macht was."

Der PR-Profi Stefan Bachleitner schreibt in seinem Blog zu Politik und Kommunikation: "Wenn nun der Bundeskanzler und sein Vize angesichts der Abwicklungspläne für die Hypo Alpe Adria den Eindruck erwecken, öffentliche Stellungnahmen vermeiden und dieses schwierige Thema großräumig umfahren zu wollen, dann haben sie entweder die Tragweite der jüngsten Entwicklungen oder die Pflichten ihres Amtes nicht zur Gänze verstanden."

Weitergereicht wird Andreas Kollers Kommentar "Die Republik der Dilettanten" in den Salzburger Nachrichten: "Die Finanzpolitik unseres Landes ist in die Hände von Laienspielern geraten. Das kann teuer werden."

Kurier-Kolumnist Michael Hufnagl wundert sich über "ein Meisterwerk": "Sich in Anbetracht des größten Finanzdesasters der 2. Republik aus Angst vor kritischen Fragen den Medien und der Öffentlichkeit zu verwehren ...".

Luke Lametta wird in Christian Ortners Blog "Das Zentralorgan des Neoliberalismus" zitiert, er entwickelt dort Sympathien für eine "Steuernettozahler Armee Fraktion".

Bürger machen bereits mobil: Eine Online-Plattform "Machen Sie mit" fordert von der Bundesregierung die "lückenlose Offenlegung der Hypo-Gläubiger" und wird binnen weniger Tage von tausenden Unterzeichnern unterstützt. Das ist nur eine von mehreren Initiativen.

Immer wieder gepostet werden Fotos von Jörg Haider, versehen mit seinem Zitat aus dem Jahr 2007: "Wir werden den Löwenanteil der Hypo-Anteile für kommende Generationen anlegen. Deswegen wird Kärnten reich."

Auch die Spaßfraktion ist unterwegs. Ein Renner ist das Foto eines Mistkübels mit dem Logo der Hypo Alpe Adria auf der Straße. Auf dem Mistkübel ist die Aufforderung zu lesen: "Wirf dein Geld hier rein".

Die Satireplattform Die Tagespresse zeigt eine Fotomontage des burgenländischen Landeshauptmanns Hans Niessl, der ein Kuvert voller Geldscheine in der Hand hält. Unter dem Titel "Vorbildlich" wird vermeldet: "Hans Niessl startet Geldkuvert-Sammelaktion, um Hypo zu retten." Achtung, Satire: "Den Notleidenden zu helfen ist eines der Grundprinzipien der Sozialdemokratie", erklärte Niessl sein Vorhaben. "Manchmal reicht es eben nicht, nur zu reden. Man muss zur Tat schreiten, wenn man seinen Prinzipien treu bleiben will." (Michael Völker, DER STANDARD, 14.2.2014)

  • Der Ärger über das Hypo-Millionendesaster entlädt sich im Internet durchaus kreativ: Auf Facebook, Twitter und in den Foren hagelt es zum Teil sehr anschauliche Kritik. Jörg Haider wird gerne zitiert, es werden Schilder gebastelt und Montagen erstellt. In Beiträgen zeigen sich Blogger wie User über die Verschleppung empört.
    fotomontage: friesenbichler

    Der Ärger über das Hypo-Millionendesaster entlädt sich im Internet durchaus kreativ: Auf Facebook, Twitter und in den Foren hagelt es zum Teil sehr anschauliche Kritik. Jörg Haider wird gerne zitiert, es werden Schilder gebastelt und Montagen erstellt. In Beiträgen zeigen sich Blogger wie User über die Verschleppung empört.

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