Vorarlbergs Grüne orten Betrug mit Stierkälbern

13. Februar 2014, 18:34
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Anfrage zu unrentablen Tieren, für die Schadenersatz beantragt worden sein soll

Bregenz - Bei Milchbauern ist männlicher Nachwuchs im Kuhstall nicht gefragt. Weil nur aus weiblichen Kälbern einmal Milchproduzentinnen werden, wird selektiert. Nicht immer mit lauteren Mitteln, vermuten die Vorarlberger Grünen.

Deren Klubobmann Johannes Rauch äußert in einer Anfrage an Landwirtschaftslandesrat Erich Schwärzler (ÖVP) einen schlimmen Verdacht: Stierkälber würden kurz nach der Geburt getötet und der Versicherung als Totgeburt gemeldet. Denn die Versicherung bezahle mehr für den Schaden, als ein Stierkalb auf dem Markt einbringen würde. Rauch beruft sich auf mehrere übereinstimmende Hinweise und will nun wissen, wie viele Kälber jährlich in der Tierkadaververwertung landen.

Rupert Nigsch, Obmann des Braunviehzuchtverbands und Bauer im Großen Walsertal, ist entsetzt: "Das glaub ich nicht." Ein normaler Bauer bringe seine Kälber nicht um, sondern versuche jedes Tier durchzubringen. Die Vermarktung von Stierkälbern sei jedoch schwierig, räumt Nigsch ein: "Die Preissituation ist sehr schlecht. Für die Vorarlberger Bauern ist es lukrativer, Milch zu produzieren." Der Kälbermarkt sei übersättigt, sagt Nigsch, aus anderen Regionen käme billigeres Kalbfleisch.

Sperma-Sexing

Für Grünen-Politiker Rauch ist der fragwürdige Umgang mit Stierkälbern eine Folge der Konzentration auf die Milchwirtschaft, "da haben wir einen Eigendeckungsgrad von über 200 Prozent, bei Fleisch nur 20 Prozent". Rauch will nun wissen, welche Rahmenbedingungen die Landesregierung schaffen will, um Stierkälber artgerecht aufziehen und gut verwerten zu können.

Eine Möglichkeit, unerwünschten männlichen Nachwuchs im Hightech-Stall zu verhindern, ist die gezielte Erzeugung weiblicher Tiere. Sperma-Sexing, eine Methode aus den USA, ermöglicht die Geschlechterwahl bei der Rinderzucht. Das Bullensperma wird nach Geschlechtschromosomen getrennt, bei der Besamung sucht man sich das passende Sperma. In neun von zehn Fällen soll dann das Geschlecht passen. Sperma- Sexing sei auch bei Vorarlberger Bauern ein Trend, sagt Nigsch. Auf der Website des Verbands ist bereits eine Gebrauchsanweisung für die Zucht mit gesextem Sperma zu finden. (jub, DER STANDARD, 14.2.2014)

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    foto: reuters/johannes eisele
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