Pensionist soll Achtjährige vergewaltigt haben: Zwei Jahre bedingt

13. Februar 2014, 17:35
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Schöffensenat erteilte Weisung zur Psychotherapie - Angeklagter hat Urteil angenommen - Staatsanwältin gab keine Erklärung ab

Salzburg - Ein 69-jähriger Pensionist ist am Donnerstag bei einem Prozess in Salzburg wegen Vergewaltigung und wegen schweren sexuellen Missbrauchs einer Achtjährigen schuldig gesprochen worden. Der bisher unbescholtene Angeklagte erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Zudem wurde eine Weisung zur Psychotherapie erteilt.

Der Beschuldigte meinte, er habe das Mädchen beim Versteckspielen zufällig am Geschlechtsteil berührt, was ihm auch leidtue. Dass er es gewaltsam festgehalten oder ihm gar gedroht hätte, bestritt der Tiroler.

Der Angeklagte war Untermieter im Haus der Familie des mutmaßlichen Opfers im Flachgau. Die Mutter erzählte dem vorsitzenden Richter des Schöffensenates am Landesgericht Salzburg, Günther Nocker, dass der 69-Jährige öfters mit ihrem sechsjährigen Sohn und ihrer achtjährigen Tochter im Garten gespielt hätte. Die Großmutter des Mädchens habe dann im August 2013 unsittliche Berührungen des Mannes an der Achtjährigen bei der Hausbank beobachtet.

Kontradiktorische Einvernahme

Den Aussagen der Achtjährigen in der kontradiktorischen Einvernahme zufolge gab es solche Vorfälle auch im Pool. Die Verfahrenshelferin des Pensionisten bezeichnete die Anklage allerdings als "überschießend". Es sei weder zu einem Beischlaf noch zu einer dem Beischlaf gleichzusetzenden Handlung oder zu einer Nötigung oder gefährlichen Drohung gekommen. "Trotzdem ist er geständig, dass er am Opfer geschlechtliche Handlungen vorgenommen hat."

Der Beschuldigte machte es dem Schöffensenat nicht leicht. Eine gänzlich geständige Verantwortung war in seiner Einvernahme vorerst nicht zu erkennen. Von Frühjahr bis August 2013 habe er das Mädchen fünf- bis zehnmal spielerisch berührt. Einmal habe es einen kleinen Ball im Slip versteckt, dann eine Haarspange oder einen Stein. Wer dieses Spiel erfunden habe, wisse er nicht. "Die Berührung tut mir wahnsinnig leid."

Geständnis und Relativierung

Den Vorwurf, er sei dem Mädchen mit dem Finger in die Vagina gefahren, bestritt der Angeklagte. "Ich habe sie nicht vergewaltigt." Nachdem ihn der Vorsitzende darauf hingewiesen hatte, dass die Strafdrohung von einem Jahr bis zu zehn Jahren Haft reiche, ein Geständnis ein Milderungsgrund sei und der Gesetzgeber auch dann von einer Vergewaltigung spreche, wie man mit dem Finger gewaltsam eine geschlechtliche Handlung setze, und der Richter den Angeklagten gefragt hatte, ob das so gewesen sein könnte, antwortete der Pensionist: "Ja, so war's." Ob er das Mädchen dabei festgehalten habe, hakte der Richter nach. "Ja, Herr Vorsitzender".

Im Laufe der Verhandlung relativierte der Pensionist, der nach der Anzeige einen Suizidversuch begangen hatte, seine Aussage. "Als ich sie berührt habe, habe ich sie nicht festgehalten." Hinter den Spielereien sei auch kein sexuelles Kalkül gestanden, erklärte der 69-Jährige. 

Der Beschuldigte verzichtete auf Rechtsmittel. Da aber die Staatsanwältin keine Erklärung abgegeben hatte, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. (APA/red, derStandard.at, 13.2.2014)

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