Niederösterreichs Windradzonen auf dem Prüfstand

14. Februar 2014, 05:30
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Die Auflage des Zonenplans des Landes Niederösterreich für Windräder endet am Freitag. In der Buckligen Welt regt sich Widerstand. Unmut herrscht auch im Wald- und Weinviertel

Wien/Wiesmath – Was Wolfgang Fritsch besonders wurmt, ist die "undemokratische Vorgangsweise", mit der die Windkraft in seiner Gemeinde vorangetrieben werde. In seiner Heimatgemeinde liegt eine Windpark-Erlaubniszone. Fritsch hat ein Komitee gegen die Errichtung von Windkraftanlagen im Ort ­gegründet und den vorläufigen Zonenplan des Landes Nieder­österreich beeinsprucht. Am Freitag endet die Frist dafür.

Der Jäger und Unternehmer lebt in Wiesmath in der Buckligen Welt. Bei seinem Haus auf einem Hügelrücken kann einen die Sonne blenden, wenn im Tal der Nebel hängt. Der Niederösterreicher befürchtet, dass aus dem nahen Waldstück bald sechs 200 Meter hohe Windräder ragen – die den 1500-Einwohner-Ort im Bezirk Wiener Neustadt-Land überragen würden. Und die von seinem Garten aus alle sichtbar wären.

Gleich bei Naturparks

Fritsch wundert, dass seine Gemeinde im Zonenplan des Landes überhaupt als windradtauglich eingestuft wurde. Denn Wiesmath grenzt an die Naturparks Land­seer Berge und Rosalia-Kogelberg. Wenn das Land endgültig grünes Licht gibt, muss noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgen – beziehungsweise reicht bei kleinen Projekten (bis 20 Megawatt insgesamt) auch die abgespeckte Form, die Strategische Umweltprüfung.

Allerdings ist Fritschs Vertrauen in die verschiedenen Entscheidungsträger bei Windkraftprojekten erschüttert. Zu viele "Zufälle" sind ihm in der Zwischenzeit untergekommen. So hat der Bürgermeister von Wiesmath, Roland Weber (VP), bereits im Frühjahr 2013 im Gemeinderat den Beschluss einer entsprechenden Umwidmung des Areals herbei­geführt. Die Unterlagen wurden dann in der Gemeinde aufgelegt. Laut Fritsch war in der entsprechenden Kundmachung an die Bürger aber nicht erwähnt, dass es konkret um einen Windpark ging. "Ich war der Einzige, der Einsicht nahm", sagt er. Die Auflage startete am 22. Mai 2013.

Just am nächsten Tag verkündete Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) einen vorläufigen Widmungsstopp, um "Wildwuchs" von Windrädern zu vermeiden. Der Wiesmather Umwidmungsbeschluss liegt daher noch beim Land – das ihn also nicht mehr durchgewunken hat. Der Baustopp gilt, bis das Land den fertigen Zonenplan verabschiedet hat. Im Juli 2014 soll es so weit sein.

Es gibt einen Nutzungsvertrag

Was Fritsch noch verdächtig vorkommt: Für das Areal in Wiesmath, auf dem sich die Windräder drehen sollen, existiert ein Nutzungsvertrag mit der Firma Ventureal. Der Geschäftsführer der GesmbH mit Sitz in Wien heißt Martin Blochberger. Sein Vater ist Franz Blochberger, ehemals VP-Landesrat in der niederöster­reichischen Landesregierung und Bauernbündler.

Fritsch wirft dem Bürgermeister auch vor, die Bevölkerung nicht umfassend über das Vorhaben informiert zu haben. Der Ortschef wie auch Martin Blochberger von Ventureal waren für den Standard in der Sache trotz mehrmaliger Versuche nicht erreichbar.

Aus vogelschutztechnischer Sicht liegen laut Birdlife keine Bedenken gegen Windräder in der Gemeinde Wiesmath vor. Fritsch hat auch da seine Zweifel. Der Verein Birdlife war an der Erstellung des niederösterreichischen Windkraft-Zonenplans beteiligt. Allerdings finden sich in dem nun zur Auflage vorliegenden Zonenplan insgesamt sehr wohl auch Windrad-Eignungsgzonen, die aus Birdlife-Sicht rote Sperrzonen für Windparks sein sollten.

Angst vor Infraschall

Beispielsweise im Waldviertel. Dort sowie im Weinviertel haben sich Gegner der Windradpläne in bürgerinitiativenübergreifenden Interessengemeinschaften organisiert. Im Weinviertel sieht der Zonenplan des Landes den meisten Platz für Windparks vor: Landesweit sind es zwei Prozent Fläche, aber 4,9 Prozent der Fläche des Weinviertels. Die verschie­denen Bürgerinitiativen teilen Fritschs Sorgen: wegen Lärms, Schattenwürfen, um das Landschaftsbild sowie um die Gesundheit wegen des Infraschalls.

Von Landesseite hieß es bisher immer, eine Erlaubniszone bedeute ja noch nicht, dass auch wirklich ein Windpark errichtet werde. Die Prüfung bleibt Aufgabe der Gemeinden. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 14.2.2014)

  • Wolfgang Fritsch in der Buckligen Welt.
    foto: christian fischer

    Wolfgang Fritsch in der Buckligen Welt.

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