Stiller Abgang des Zypern-Vermittlers Downer

13. Februar 2014, 17:58
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Zugegeben: UN-Vermittler auf Zypern ist nicht gerade ein Traumjob. Doch beim Neustart der Verhandlungen auf der geteilten Insel diese Woche fehlte ausgerechnet Alexander Downer. Der australische Multi-Berater, Ex-Außenminister und Teilzeit-Diplomat hat den USA das Feld überlassen und trat zurück.

Das Treffen in der UN-Pufferzone, im stillgelegten früheren Flughafen von Nikosia, war in knapp eineinhalb Stunden abgewickelt und die Gemeinsame Erklärung über den Neustart der Zypern-Verhandlungen auch gleich verlesen, aber einer fehlte: Alexander Downer, immerhin der Sonderberater des UN-Generalsekretärs für den Endlos-Konflikt auf der Insel.

Der SASG (Special Adviser to the Secretary-General) ließ sich durch die derzeitige SRSG (Special Representative of the Secretary-General) vertreten, die UN-Beamtin Lisa Buttenheim, zugleich Chefin der Blauhelmtruppe auf Zypern. Sie war es, die am Dienstag dieser Woche die sieben Punkte der Gemeinsamen Erklärung vortrug. Das wäre Downers Job gewesen, der eine große Erfolg in mehr als fünf Jahren diplomatischer Vermittlungsarbeit zwischen Griechen und Türken auf Zypern; in dieser Funktion ist Lisa Buttenheim nur seine Stellvertreterin.

Wenn Downer (62) aber den offiziellen Start der möglicherweise wichtigsten Verhandlungsrunde auf Zypern seit dem Scheitern des Annan-Plans 2004 spritzt, dann sagt das Einiges über das Gewicht der UNO bei den derzeitigen Bemühungen um eine Überwindung der Teilung der Insel. Und mehr noch über den Chef-Vermittler, der 2008 mit viel Vorschuss-Lorbeeren sein Amt begann. Die EU hatte sich nach der Enttäuschung über das Nein der griechischen Zprioten zum Annan-Plan, kurz vor der Aufnahme Zyperns in die Union, sowieso wieder auf den Rücksitz zurückgezogen. Die UNO verwaltete den Konflikt weiter, rutschte mit ihrem langjährigen australischen Außenminister Downer als Vermittler aber nach und nach ins Aus. Downer sei nicht objektiv, kritisierte im Jänner Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis. Da hatten die Amerikaner schon die Regie übernommen.

US-Staatsekretärin "F... the EU" Victoria Nuland soll mit einem Kurzbesuch vergangene Woche die letzten Probleme bei der Gemeinsamen Erklärung aus dem Weg geräumt haben. US-Vizepräsident Joe Biden schaltete sich im Vorfeld ein, Washingtons Botschafter in Nikosia, John Koenig, gilt als wichtige Figur, die zum Neustart der Zypern-Verhandlungen beigetragen hat. Downer hat am 11. Februar selbst die Konsequenz aus dem verlorenen Vertrauen zumindest bei den griechischen Zyprioten gezogen und dem UN-Generalsekretär über seinen Rücktritt informiert. Einfach ablösen hätte nicht sehr positiv und stimulierend für die Verhandlungen gewirkt, die auf der Insel ohnehin mit großer Nüchternheit betrachtet werden. Weiter auf dem Posten belassen und als Fahrgast bei den Verhandlungen mitzunehmen, schien auch keine konstruktive Lösung. Downers Erklärung von Außen am 11. Februar, dem Tag des diplomatischen Neustarts, war dürr: Es sei im "Interesse beider Parteien, ihre Differenzen beizulegen und zu einer Übereinkunft über eine gemeinsame Sicht der Zukunft zu kommen..."

Spekulationen über Downers berufliche Projekte dauern schon seit einem Jahr an. Australiens Botschafter in London soll er werden, wieder Parteichef der Liberalen in seiner Heimat, aber dieses Mal im Bundesstaat Südaustralien. Und dann gibt es noch sein beeindruckendes Portfolio an Beratertätigkeiten, die er bisher schon irgendwie neben seinem Job als Zypern-Vermittler ausfüllen musste: Bespoke Approach, ein australisches Consulting-Unternehmen, das unter anderem die Interessen des chinesischen Telekommunikations-Riesen Huawei vertritt (auch in der Türkei; Downer wischte Bedenken über mögliche Interessenskonflikte als Zypern-Vermittler vom Tisch); die britische Sicherheitsberaterfirma Hakluyt; eine Investmentbank, die australische Bergwerksgruppe ResourceHouse...

  • Alexander Downer, Sonderberater von UN-Generalsekretärs Ban ki-moon.
    foto: ap photo/philippos christou

    Alexander Downer, Sonderberater von UN-Generalsekretärs Ban ki-moon.

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