Schräge Vögel und die Musikgeschichte

13. Februar 2014, 17:56
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Thomas Gansch und Georg Breinschmid: Trompete, Kontrabass und ein Gesamtpaket, dass Frank Zappa sehr gut gefallen hätte

In den 1970ern feierte das deutsche Liedermacherduo Schobert & Black mit Nonsensliedern Erfolge, die das deutsche Liedermacherduo selbst als höheren Blödsinn beschrieben hat, eine Qualifizierung, die auch auf die Arbeiten zweier umtriebiger heimischer Musiker zutrifft, die zwischen allen stilistischen Stühlen sitzen: Thomas Gansch und Georg Breinschmid.

Letzterer studierte Kontrabass an der Wiener Musikhochschule, zugleich spielte er bereits in diversen Orchestern, Kammermusikensembles und Jazzformationen. Von 1996 bis 1998 war Breinschmid Mitglied der Wiener Philharmoniker, seitdem hat er die ehrwürdigen Konzertsäle in Richtung Jazzclubs und Kleinkunstbühnen verlassen. 1999 nimmt den gebürtigen Amstettener das Vienna Art Orchestra auf, wo er auf den aus Melk stammenden Trompeter und Flügelhornisten Thomas Gansch trifft.

Bis 2006 bleiben sie bei der Bigband, verfolgen aber bereits zu dieser Zeit diverse eigene Projekte, etwa gemeinsam mit dem Salzburger Klassikgeiger Benjamin Schmid und Gitarrist Diknu Schneeberger eine Hommage an die europäischen Jazzpioniere Stéphane Grapelli und Django Reinhardt. Auch bei Gansch & Roses toben sich die beiden Scherzkekse aus, Thomas Gansch verbläst daneben noch mit der Kapelle Mnozil Brass allzu große musikalische Ernsthaftigkeit.

Damit können Gansch & Breinschmid als eigenständiges Duo nix anfangen. Schon immer teilten sie eine Vorliebe für Monty Python, Thomas Bernhard, die Beatles, Jazz und dadaistische Wortspiele sowie einen anarchischen Spielwitz, in dem alpenländisches Brauchtum, Wienerlied, Weltmusik, Blues und Pop zu einer irrwitzigen Mischkulanz verrührt werden. Dazu kommen die launigen Ansagen und Bühnenschmähs, ein Gesamtpaket, dass Frank Zappa sehr gut gefallen hätte. Über dessen ohnehin rhetorisch gemeinte Frage "Does Humor Belong in Music?" können Gansch und Breinschmid nur lachen. So mutiert ein Strauß-Walzer schon einmal zu den Beatles-Hadern Can't Buy Me Love und Lady Madonna. Nirvanas Come As You Are wird ebenso schräg bearbeitet wie die Standards Something Stupid oder Tea For Two. Morgen live im Radstädter Zeughaus zu überprüfen. (dog, DER STANDARD, 14.2.2014)

15. 2., Zeughaus Radstadt, 06452/71 50, 20.00

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