Sympathisch rumpelnd

13. Februar 2014, 17:37
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Die legendäre Wiener Undergroundband The Vogue veröffentlicht mit "Running Fast" ihr Gesamtwerk auf CD

Als voriges Jahr im Falter-Verlag das Wien.Pop-Buch erschien, wurde mit den in Interviewform festgehaltenen Kriegserinnerungen Wiener Undergroundmusiker nicht nur erstmals dokumentiert, dass die österreichische Musikgeschichte bis dato eventuell immer ein wenig arg verkürzt dargestellt worden war: Ambros, Danzer, Falco, Kruder & Dorfmeister, aus. Die vielen Erzählstränge zwischen Austropop, Punk und New Wave oder HipHop und Techno sorgten auch dafür, dass mittlerweile längst vergessene Schätze konsequent wiederentdeckt und gehoben werden.

Da wäre vor allem einmal der wunderbare Schnitzelbeat-Sampler von 2013, der beweist, dass es in den 1960er-Jahren auch schon Leute gegeben hat, die sich mit Inbrunst US-amerikanischer Halbstarkenmusik angenommen haben, aber dann doch lieber Karrieren als Softpornoproduzenten oder Schlagersänger starteten. Wiederveröffentlichungen jugendlicher Progressive-Rock-Verehrer wie Klockwork Orange mit ihrem einzigen Album Abrakadabra (1975) oder die milde Freakshow Nowaks Kapelle mit einem jungen Harry Stoijka an der Gitarre und dem Album Naked (1978) zeigen, dass es neben Austropop in den 1970er-Jahren auch ein Leben mit härteren Drogen statt Veltliner gegeben hat. Gerhard Heinz beweist auf Library Music, dass er nicht nur käsige Soundtracks für filmische Unfälle wie Griechische Feigen oder Josefine Mutzenbacher produzierte, die sich schon früh mit elektronischer Musik und Disco beschäftigten, solange diese ordentlich billig klang. Manchmal blitzt hier auch Giorgio Moroder gepaart mit nacktem Wahnsinn auf: Liebe auf den ersten Biss aus Graf Dracula beißt jetzt in Oberbayern (1979).

Meinungsstarke Charaktere

Nach Wiederveröffentlichungen wichtiger Arbeiten von Chuzpe (1000 Takte Tanz), Peter Weibel & Hotel Morphila Orchester (Schwarze Energie) sowie Dämmerattacke (Tausend Seen) legt nun das Wiener Label Cien Fuegos/Trost eine weitere Reissue vor, die, abgesehen von Tränen der Rührung bei einem Veteranenpublikum, ausnahmsweise für hiesige Verhältnisse, auch international nachgefragt sein wird.

Ende der 1970er-Jahre gründete der aus der ländlichen in die städtische Provinz gekommene Schlagzeuger Ronnie Urini mit Sänger und Gitarrist Gary Danner die Band The Vogue und veröffenlichte in zwei Jahren diverse Samplerbeiträge, Singles und ein Album namens A Doll Spits Cube (1981). The Vogue gelangten damit sogar in Amerika zu Ruhm in Undergroundkreisen. Vor allem mit ihrem Hit Frozen Seas Of Io verdichteten The Vogue Einflüsse aus US-Garagenpunk, Psychedelic und britischer Mod-Musik zu einem surrealen, noch heute sympathisch rumpelnden und scheppernden Pop, der damals weit unter seinen Möglichkeiten blieb. Die meinungsstarken Charaktere zerstritten sich bald. Immerhin schafft man nun eine Veröffentlichung des Gesamtwerks als CD Running Fast. Beim Hören kommt Wehmut auf. Wie so oft bei heimischer Musik bleibt das Resümee: Da wäre damals mehr dringewesen. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 14.2.2014)

The Vogue - Running Fast (Cien Fuegos/Trost)

  • The Vogue um 1981: (Von links) Erich Schindl, Chris Mayyer, Gary Danner und Ronnie Urini.
    foto: cien fuegos

    The Vogue um 1981: (Von links) Erich Schindl, Chris Mayyer, Gary Danner und Ronnie Urini.

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