Grazer Forscher entwickeln Bewertungskatalog für nachhaltige Produktion

16. Februar 2014, 14:06
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Europäische Datenbank soll für Unternehmen die Umwelt-, Energie- und sozialen Standards in unübersichtlichem Zuliefermarkt transparent machen

Graz - In der Automobil- und Elektronikindustrie sind Zulieferketten aufgrund der Globalisierung nahezu unüberschaubar geworden. Damit wird es für Unternehmen schwierig, aus Sicht der Nachhaltigkeit verantwortungsbewusste Kaufentscheidungen zu treffen und Vorgaben einzuhalten. Mehr Transparenz verspricht eine auf europäischer Ebene unter Beteiligung der Universität Graz entwickelte Software-Plattform.

Durch die Auslagerungen von Produktionsteilen in Entwicklungs- und Schwellenländer geht Unternehmen der Einblick in die Produktionsbedingungen ihrer Zulieferer verloren: Wie werden die benötigten Einzelteile in den Zulieferbetrieben hergestellt? Wird dabei auf die Vermeidung gefährlicher Abfälle, effizienten Energieeinsatz, Umweltvorschriften, soziale Normen und Einhaltung der Arbeitnehmerrechte geachtet? Die im Rahmen des von der EU geförderten Forschungsprojektes "SustainHub" entwickelte Datenbank soll Unternehmen ein Bewertungsgerüst bieten und die Überprüfung dieser Anforderungen erleichtern.

Dazu haben sich 15 europäische Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen. Geleitet wird das Projekt vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung. Auch Großunternehmen wie Continental, Johnson Control und AGFA Healthcare sowie KMU gehören dem Konsortium an. An der Universität Graz wird dazu bis Ende 2015 ein Bewertungskatalog für nachhaltige Produktionsprozesse erarbeitet, der sowohl ökologische als auch soziale Aspekte berücksichtigt, teilte die Uni Graz am Donnerstag mit.

150 Nachhaltigkeitsaspekte

Für nachhaltig wirkende ökologische und soziale Kriterien gebe es noch kein international klar definiertes Bewertungsgerüst, schilderte Rupert Baumgartner vom Institut für Systemwissenschaften, Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung: "Es gilt, Kennzahlen und Indikatoren festzulegen, um die Daten mess- und vergleichbar zu machen." Ein Etappenziel wurde bereits erreicht: "Wir haben mehr als 150 Nachhaltigkeitsaspekte identifiziert und rund 70 Indikatoren definiert". Dazu zählen sowohl ökologische Themen wie Ressourcenmanagement oder Minimierung von Umweltschäden als auch soziale wie die Vermeidung von Kinder-und Zwangsarbeit oder Gleichberechtigung der Geschlechter.

Die entstehende Datenbank ist als ein flexibles System gedacht, das Richtlinien-Novellen und Produktionsanpassungen berücksichtigt und laufend aktualisiert werden kann. Die Abfrage soll in kleinerem Umfang kostenlos sein, für komplexere Recherchen sind gestaffelte Gebühren geplant. (APA, 16.2.2014)

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