Britische Ärzte verfehlen meist rechtzeitige COPD-Diagnose

13. Februar 2014, 12:53
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Bis die Lungenerkrankung diagnostiziert wird, vergehen oft fünf Jahre und mehr - auch vier von fünf Betroffenen in Österreich wissen nichts von ihrer COPD

Das britische Gesundheitswesen kann sich keineswegs rühmen: Nach schweren Defiziten bei der Krebstherapie und schlechten Ergebnissen bei den Überlebensraten nach Herzinfarkten zeigt eine neue Untersuchung, dass bis zu 85 Prozent aller Fälle von COPD ("Raucherlunge") nicht früh genug diagnostiziert werden, wie "Lancet Respiratory Medicine" berichtete.

Früherkennung essenziell

In den fünf Jahren vor der endgültigen Diagnose der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung sind 85 Prozent der britischen Patienten entweder bei ihrem Hausarzt oder bei einem fachärztlichen Versorgungszentrum gewesen. Der Grund dafür waren Probleme mit den unteren Atemwegen. Die Möglichkeiten zur Diagnose waren in den vorangegangenen sechs bis zehn Jahren bei 58 Prozent der Betroffenen und in den elf bis 15 Jahren vorher bei 42 Prozent der Betroffenen nicht genutzt worden.

Die erhebliche Zahl der Patienten mit falscher oder gar nicht erfolgter Diagnose in dieser Studie beunruhigt. "Es ist wichtig, dass die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) so früh wie möglich erkannt wird. Nur dann kann eine effektive Behandlung erfolgen, um Lungenschäden zu verhindern, die Lebensqualität zu erhöhen und die Lebenserwartung zu vergrößern", sagt Rupert Jones von der Universität Plymouth zu seiner Studie.

Das britische Gesundheitsministerium schätzte, dass in Großbritannien rund 2,2 Millionen COPD-Patienten ohne entsprechende Diagnose und Therapie leben. Dabei könnte die frühe Behandlung laut dem staatlichen Gesundheitswesen jährlich rund 100 Millionen Pfund (etwa 120 Mio. Euro) ersparen. An sich gilt das britische Gesundheitswesen seit den Tagen des Thatcherismus als besonders kostenbewusst.

Problem auch in Österreich

Auch ein Viertel der Österreicher haben eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Bereits 2005 hat die BOLD-Studie gezeigt, dass 26 Prozent der Erwachsenen an einer COPD leiden. Zehn Prozent sollten behandelt werden. Aber 80 Prozent wissen nichts von ihrer Erkrankung. Wenn wir die Patienten in die Klinik bekommen, hat die überwiegende Zahl von ihnen bereits 50 Prozent ihres Lungenvolumens verloren", sagte dazu der Salzburger Lungenspezialist Michael Studnicka.

An sich ist die chronisch obstruktive Lungenerkrankung - zumeist Folge des Rauchens und als "Raucherhusten" beginnend - per einfacher Lungenfunktionsprüfung sehr leicht zu diagnostizieren. Die österreichischen Lungenspezialisten und auch die Allgemeinmediziner kämpfen seit Jahren für die Möglichkeit, die Frühdiagnostik durch eine solche Spirometrie auf Krankenkassenkosten voranzutreiben. Das ist flächendeckend bisher ausgeblieben. (APA, derStandard.at, 13.2.2014)

Die Studie:

Opportunities to diagnose chronic obstructive pulmonary disease in routine care in the UK: a retrospective study of a clinical cohort, Rupert C M Jones, Erika J Sims, et al., The Lancet Respiratory Medicine, http://dx.doi.org/10.1016/ S2213-2600(14)70008-6.

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