Das Spiel mit den talentierten Gegnern

13. Februar 2014, 11:44
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Österreichs Eishockeyteam spielte wacker beim 4:8 gegen Finnland und hat viel gelernt. Gelegenheit, die Erkenntnisse umzusetzen, gibt es bereits am Freitagabend gegen Olympiasieger Kanada.

Sotschi - Der erste Auftritt des österreichischen Eishockeyteams im Bolschoi Eispalast ließ sich gerade zu sensationell an. Nach 36 Sekunden assistierte der Kärntner Michael Raffl, der bei den Philadelphia Flyers arbeitet, und der Kärntner Michael Grabner, der bei den New York Islanders beschäftigt ist, erzielte das 1:0 gegen Finnland. Sogar der Ausgleich (6.) schreckte die Österreicher nicht, Thomas Hundertpfund, dem Vorarlberger, der bei Timra IK in Schweden werkt, gelang nach Vorarbeit von Kapitän Thomas Vanek, dem steirischen Islander aus New York, die neuerliche Führung.

Dann freilich zeigten die Finnen den Österreichern, wo der Bartel den Most holt, und siegten mit 8:4 (4:2, 2:0, 2:2), und die beiden Tore innerhalb von acht Sekunden vor der Schlusssirene des ersten Drittels erleichterten die Arbeit erheblich. Die Niederlage gegen Finnland, das zwar noch nie Olympiasieger war, aber bereits fünf Medaillen und zwei WM-Titel gewann, kam nicht überraschend. Überraschend kamen eher die vier Tore der wacker spielenden Österreicher. Die wurden vom Großteil der 10.000 Zuschauer im 12.000 fassenden Palast angefeuert, schließlich sind die Finnen ernsthafte Rivalen der Sbornaja, die um den olympischen Heimsieg kämpft. Die Österreicher schmücken Olympia erstmals seit 2002 in Salt Lake City.

Acht

"Wenn man vier Tore schießt, sollte es schon ein bisserl enger hergehen. Acht Tore darf man einfach nicht kriegen. Egal, gegen wen man spielt", sagte Grabner nach der Partie, in der er viermal aufs finnische Tor geschossen und dreimal hineingetroffen hatte. "Wir haben ihnen zu viel Platz und zu viel Zeit gegeben. Wir müssen in der Defensive aggressiver sein. Den Kanadiern müssen wir es schwerer machen. Schaffen wir das nicht, kommt das gleiche Resultat heraus."

Die Partie gegen Kanada, den Olympiasieger von Vancouver 2010, steigt am Freitag (18 Uhr MEZ). Am Sonntag im letzten Gruppenspiel wartet Norwegen. Und dann gibt es noch die Chance, sich via Playoff gegen einen noch zu ermittelnden Gegner für das Viertelfinale zu qualifizieren.

Gestern studierten die Österreicher das Video vom Finnland-Spiel, in dem sie so viele Pucks verschenkten, zum Gegner abprallen ließen, auf dass dieser netzte. Von 23 Bullys gewannen die Finnen 16. "Ich hoffe, dass wir das gegen Kanada besser machen", kommentierte Chefcoach Manny Viveiros, "wir müssen saubermachen vor dem Tor."

Tormann unter Beschuss

Goalie Bernhard Starkbaum stand schwer unter Beschuss, die Finnen knallten den Puck 52-mal auf sein Tor. Kollege Tuukka Rask von den Boston Bruins, einer der besten seines Fachs in der NHL, wurde nur 20-mal beschossen, hatte also die schlechtere Quote. "Das war anstrengend. Ich habe gewusst, dass viele Schüsse auf mich kommen werden", sagte Starkbaum, der zwecks Broterwerb in Schweden bei Brynas Gävle Pucks abwehrt. "Wir haben aber zu viele kleine Fehler gemacht. Ein starker Gegner nützt so etwas aus. Das hat uns das Spiel gekostet. Daran müssen wir arbeiten. Wir wissen ja, dass wir gegen talentierte Gegner spielen. Wir sind nicht so erfahren wie die, aber wir sind hungrig und kämpfen bis zum Umfallen. Und wir haben gesehen, dass wir mitspielen können." Wann er, Starkbaum, zuletzt mehr als fünfzig Schüsse auf seinen Kasten erhielt? "Keine Ahnung, das muss schon lange her sein."

Thomas Vanek sieht der nächsten Partie insofern gelassen entgegen, als er keine wesentlich größere Bedrohung erwartet. "Schwieriger kann das gegen Kanada auch nicht werden. Mehr als fünfzig Schüsse kannst du ja gar nicht aufs Tor kriegen. Wir spielen hier in einer Liga, in der die Scheibe extrem gut gehalten wird. Achtzig Prozent der Scheiben gehen genau auf den Schläger. Aber wir sollten das realistisch sehen. Ich will nicht sagen, dass wir schlechte Spieler haben, aber sie spielen in einer Liga, wo alles ein bisserl langsamer ist. Es ist nur traurig, dass wir das Spiel nach einem guten Start leichtsinnig weggeschmissen haben." Michael Grabner freut sich auf die Partie gegen Kanada, auf das Match gegen John Tavares, seinen Haberer von den Islanders: "Wir wollen 60 Minuten gut spielen und unser Land stolz machen." (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 14.2.2014)

Herren, Gruppe B, 1. Runde

Finnland - Österreich 8:4 (4:2, 2:0, 2:2)

Tore: Granlund (6., 59./PP), Lepistö (12.), Maata (20.), Immonen (20., 52./PP), Jokinen (22.), Kontiola (33.) bzw. Grabner (1., 42., 55.), Hundertpfund (10.)

Kanada - Norwegen 18 Uhr

  • Die Österreicher konnten die Finnen nicht dauerhaft hinter sich lassen.
    foto: ap

    Die Österreicher konnten die Finnen nicht dauerhaft hinter sich lassen.

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