Geht es den Mädchen gut, geht es allen gut

13. Februar 2014, 11:54
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Der neue UN-Bericht sieht Erfolge bei der Armutsbekämpfung, die mangelnde Gleichstellung behindere jedoch weitere Entwicklungschancen

New York - Mangelnde Gleichstellung und Diskriminierung von Frauen sind laut UNO zwei der größten Hindernisse für die Entwicklungschancen armer Länder. In dem Bericht, der am Mittwoch (Ortszeit) in New York vorgestellt wurde, warnt der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) davor, dass die Ungleichheit der Geschlechter bereits erzielte Fortschritte bei Gesundheit, Bildung und im Kampf gegen die Armut zunichtemachen könnte. In dem Bericht wurden Entwicklungsdaten aus 176 Ländern zusammengetragen und mit der Einschätzung lokaler, zivilgesellschaftlicher Einrichtungen kombiniert.

Situation von Mädchen als Gradmesser für Entwicklung

In dem Bericht geht hervor, dass sich "extreme Armut" in den Entwicklungsländern stark verringert hat. Der Anteil sank von 47 Prozent im Jahr 1990 auf 22 Prozent im Jahr 2010. Die Situation junger Frauen sei ein guter Gradmesser für Entwicklung, sagte UNFPA-Chef Babatunde Osotimehin. In den ärmsten Ländern seien "heranwachsende Mädchen besonders gefährdet". Zwar gingen im Vergleich zu 1994, als der UNFPA bei einer Konferenz in Kairo einen Aktionsplan für Bevölkerungs- und Entwicklungsfragen beschlossen hatte, weltweit mehr Mädchen in die Volksschule. Der Zugang zu höherer Schulbildung sei aber vielerorts noch ein Problem.

Müttersterblichkeit gesunken

In den vergangenen 20 Jahren gingen dem Bericht zufolge auch die Todesfälle während der Schwangerschaft oder Geburt um fast 50 Prozent zurück. Mehr Frauen haben Zugang zu Bildung, Arbeit und politischer Beteiligung. Mehr Kinder gehen in die Schule und die Zahl der Teenagerschwangerschaften sei weltweit ebenfalls zurückgegangen. Auch der Bevölkerungszuwachs habe sich in manchen Erdteilen verlangsamt; dies zeige wie wichtig es sei, dass Frauen selbst über die Zahl ihres Nachwuchses entscheiden könnten.

Laut UNFPA treffen diese positiven Entwicklungen nicht alle Menschen gleich. In den ärmsten Ländern und Gegenden der Welt habe sich die Stellung von Frauen nicht wesentlich verbessert, mancherorts sei sogar ein Rückgang in Bezug auf die Häufigkeit von Müttersterblichkeit und Kinderhochzeiten festzustellen. In Entwicklungsländern sei jedes dritte Mädchen bei seiner Heirat unter 18 Jahre. Eine frühere Heirat verschlechtere aber die Chancen auf Bildung und ein eigenständiges Leben, warnte die UNO.

Osotimehin betonte: "Wir müssen uns stärker dafür einsetzen, dass junge Mädchen ihre sexuellen und reproduktiven Rechte wahrnehmen können." Der Bericht zeige, dass sexuelle und reproduktive Gesundheit von Mädchen eine der Grundlagen für das individuelle Wohlbefinden, für ein verringertes Bevölkerungswachstum und für nachhaltige ökonomische Entwicklung sei.

Gesetzlich Schutzmaßnahmen für ärmere Bevölkerungsgruppen

In dem Bericht fordert der UNFPA die Regierungen auf, arme und ausgegrenzte Bevölkerungsteile gesetzlich besser zu schützen. Das gelte besonders für Heranwachsende, weibliche Gewaltopfer und die Landbevölkerung. (APA/red, dieStandard.at, 13.2.2014)

  • UNFPA-Chef Babatunde Osotimehin im Kreise junger Philippininnen, die über geschlechtsspezifische Gewalt aufgeklärt werden.
    foto: reuters/erik de castro

    UNFPA-Chef Babatunde Osotimehin im Kreise junger Philippininnen, die über geschlechtsspezifische Gewalt aufgeklärt werden.

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