Photovoltaikzelle sucht Land

13. Februar 2014, 21:19
38 Postings

In Japan wurde ein Mega-Solarkraftwerk in Betrieb genommen, das 22.000 Haushalte mit Strom versorgt

Wien/Kagoshima - Nach dem Erdbeben und dem Tsunami 2011 hat in Japan ein plötzliches Umdenken stattgefunden, das die Energiewende-Diskussion in Europa geradezu lächerlich erscheinen lässt. Nach nur 14 Monaten Bauzeit wurde am 1. November 2013 in der Präfektur Kagoshima im Süden der Insel Kyushu ein Solarkraftwerk in Betrieb genommen, das auf einen Schlag den jährlichen Strombedarf von 22.000 Haushalten, also rund 50.000 Menschen abdeckt.

Auf 127 Hektar angeschüttetem Neuland - das entspricht der Fläche von knapp 120 Fußballfeldern - installierte das japanische Technologieunternehmen Kyocera in Zusammenarbeit mit dem Maschinen- und Anlagenbauer IHI und der Mizuho Corporate Bank rund 290.000 multikristalline Silikonsolarmodule, die eine Leistung von 70 Megawatt Peak erzielen. Zum Vergleich: Das Donaukraftwerk Freudenau in Wien hat eine Engpassleistung von 172 MW. Die Gesamtbaukosten des "Megasolarkraftwerks", wie Kyocera sein jüngstes Projekt bewirbt, belaufen sich auf 25 Milliarden Yen (knapp 180 Millionen Euro).

Reaktion auf Fukushima

"Die Errichtung dieser Anlage verdanken wir dem neuen Feed-in-Tariff-Programm (FIT), das als Reaktion auf Fukushima im Juli 2012 ins Leben gerufen wurde", erklärt Hina Morioka von der Kyocera Corporation auf Anfrage des Standard. "Dieses sieht vor, dass lokale Energieversorger 100 Prozent des Stroms, falls dies möglich ist und das Angebot am Markt entsprechend vorhanden ist, aus solarer Gewinnung ankaufen müssen." 25.000 Tonnen CO2 sollen auf diese Weise jährlich eingespart werden.

Das rigide Einspeisungsvergütungsgesetz soll dabei helfen, die Stromversorgungsprobleme, mit denen Japan seit Fukushima zu kämpfen hat, zu lösen. Die erste Megageste Kyoceras ist vielversprechend: Laut der Japan Photovoltaic Energy Association (JPEA) entspricht die Leistung in Kagoshima fast 40 Prozent aller Solaranlagen, die im Kalenderjahr 2011 in Nippon für öffentliche und gewerbliche Anwendungen installiert wurden. Folgeprojekte, so gibt man sich bei Kyocera sicher, ohne jedoch auf Details eingehen zu wollen, seien bereits in Planung.

Photovoltaik auf Einkaufszentren

Die Errichtung beziehungsweise Entdeckung großer Flächen für solare Energiegewinnung ist aber auch in Österreich ein Thema. Just zu einem Zeitpunkt, da Christoph Chorherr (Grüne) dafür plädiert, die Dachflächen von Supermärkten und Einkaufszentren für potenzielle Wohnnutzungen zuzulassen, gehen einige Gewerbetreibende in die Offensive und bestücken ihre EKZ- und Fachmarkt-Dächer mit Photovoltaik. So geschehen beispielsweise in Simmering, Floridsdorf und Auhof.

In Zusammenarbeit mit der Green Tech Solutions GmbH wurden die Dächer von Toys 'R' Us, Betten Reiter, Tommy's Zoo und dem Fitnesscenter McFit mit Photovoltaik nachgerüstet. Im Frühjahr letzten Jahres wurden die gleichzeitig errichteten Anlagen mit einer Gesamtausbeute von 200 Kilowatt Peak in Betrieb genommen.

90 bis 95 Prozent des Gesamtbedarfes

"Nach knapp einem Jahr Betrieb können wir sagen, dass es uns gelungen ist, in unseren Märkten die gesamte Beleuchtung mit PV abzudecken", meint Franz Schweighofer, Geschäftsführer von Toys 'R' Us Österreich. "Das entspricht rund 90 bis 95 Prozent unseres Gesamtenergiebedarfs." Insgesamt erspare man sich am Standort Simmering, wo unter Zuhilfenahme von Mitteln aus dem Topf der Wiener Ökostrom- und Photovoltaikförderung 640 Quadratmeter PV mit einer Leistung von 90 kW Peak montiert wurden, auf diese Weise 43.000 bis 45.000 Euro Stromkosten pro Jahr. Die Wartungskosten beliefen sich auf jährlich 4500 bis 5000 Euro. Die Amortisationszeit beziffert Schweighofer mit zehn bis 15 Jahren, abhängig von der Entwicklung der Energiekosten in Österreich.

"Allein in Wien gibt es zehntausende Gewerbebauten, deren Dächer komplett ungenutzt sind", meint Werner Erhart, Geschäftsführer von Green Tech. "Ein paar solare Nachrüstungsprojekte befinden sich bereits in Planung, aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein." Das Potenzial sei jedenfalls enorm. Würde man alle Supermärkte, Fachmarktzentren und Shoppingcenter in Wien mit PV ausstatten, rechnet sein Geschäftsführerkollege Ludwig Ems vor, dann hätte man ein Leistungsäquivalent in der Größenordnung von Freudenau.

Schwierigkeit in den Köpfen

"Technisch ist das alles längst möglich", sagt Ems. "Die größte Schwierigkeit sehe ich eher in unseren Köpfen. Aber wenn man in Japan zur solaren Gewinnung Land anschütten kann, dann wird man hierzulande wohl ein paar Dachflächen nachrüsten können." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 13.2.2014)

  • So groß wie 118 Fußballfelder: Das neue Mega-Solarkraftwerk in Kagoshima schafft eine Leistung von 70 Megawatt Peak.
    foto: kyocera corporation

    So groß wie 118 Fußballfelder: Das neue Mega-Solarkraftwerk in Kagoshima schafft eine Leistung von 70 Megawatt Peak.

Share if you care.