Mitterlehner: Am Nachmittag nicht nur Betreuung

12. Februar 2014, 21:20
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Wissenschaftsminister: "Auch Förderung nötig" - Gesamtschule: Weder mit Festlegung auf "Gymnasium muss bleiben" noch mit "Anderes muss überprüft werden" viel zu gewinnen

Wien - Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) will sich beim Thema ganztägige Schulformen ein Vorbild am Kindergartenbereich nehmen. Dort sehe man immer stärker, dass Ganztagsangebote gefragt seien, so Mitterlehner am Mittwochabend bei einer Veranstaltung des Bildungsvolksbegehrens. Daher sei es naheliegend, dass man sich auch im Schulbereich dorthin entwickeln müsse.

"Wir werden am Nachmittag nicht nur Betreuung brauchen, sondern auch Förderung", betonte Mitterlehnner. Beim Thema Gesamtschule mahnte er: Nur mit der Festlegung "Das Gymnasium muss bleiben" bzw. umgekehrt "Anderes muss überprüft werden" werde man nicht viel gewinnen. Er finde es nicht schlecht, das Thema zu diskutieren - irgendwann müsse man aber auch eine Entscheidung treffen. Anhand seiner alten Schule beobachte er derzeit die Entwicklung, dass das Gymnasium zusehends seine Elitefunktion verliere, die Haupt- bzw. Neuen Mittelschulen wiederum die Schüler.

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) wiederum will sich heuer ebenfalls dem Thema Ganztagsschule widmen - sie plädierte allerdings vor allem für den Ausbau der verschränkten Form, also mit einem Wechsel aus Unterricht, Lern- und Freizeit. Im Regierungsprogramm sei vorgesehen, dass an jedem Schulstandort mit mehr als einer Jahrgangsklasse mindestens eine Klasse in verschränkter Form geführt werden muss. Voraussetzung: Die Eltern von 15, in manchen Fällen auch zwölf, Kindern müssen zustimmen. Kommt dies nicht zustande, muss es "in zumutbarer Entfernung" ein Angebot geben. In diesen Fällen müsse man sich auch über die Schulsprengel Gedanken machen. Für das kommende Schuljahr werde dies aber noch nicht voll greifen können, da derzeit bereits die Schulanmeldungen liefen.

An 20 Standorten will Heinisch-Hosek heuer den fließenden Übergang vom Kindergarten in die Volksschule erproben: "Im ersten Volksschuljahr soll da noch viel von der Kindergartenpädagogik drinnen sein." Dann falle der Schnitt für die Kinder nicht ganz so krass aus.

Wie im Regierungsprogramm vorgesehen will die Ministerin auch die Möglichkeit zur "alternativen Leistungsbeurteilung" - also der Bewertung von Schülerleistungen abseits von Ziffernnoten - von den ersten beiden auf die dritte Klasse Volksschule ausweiten. Im Rahmen des Ausbaus der Schulautonomie sollten Schulen sich überhaupt von einem Abgehen von Ziffernnoten entscheiden können. Direktoren sollten Lehrer außerdem zur Absolvierung von bestimmten Zusatzausbildungen verpflichten können.

Die Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens um den Industriellen Hannes Androsch wollen ab sofort die Regierung bei der Umsetzung sinnvoller Maßnahmen unterstützen. Dafür haben sie am Mittwoch zum ersten "Unterstützungstreffen" geladen. Androsch zeigte sich dabei einerseits enttäuscht, dass das Parlament keinen der Vorschläge der Initiative aufgegriffen habe - immerhin habe man aber das Thema ins Bewusstsein der Leute gebracht: "Und wie die letzten Monate gezeigt haben, beginnen die Mauern von Jericho zu bröckeln. Daher sollten wir noch einige Trompetenstöße anbringen, um die Blockademauern zum Einsturz zu bringen, damit der Weg frei wird ins gelobte Jerusalem der Bildungsreform." (APA, 12.2.2014)

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