Lebensmüde Landschaft

12. Februar 2014, 19:20
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In der Serie "Homemade", jeweils dienstags um 21 Uhr, werden Arbeiten von freien Hörspielmacherinnen und -machern vorgestellt

Mit einfacher Computertechnik lässt sich heute schon zu Hause ein Hörspiel herstellen. Das bringt experimentelle Sachen zum Vorschein. Diesem Wildwuchs räumt das Hörspiel-Studio von Ö1 derzeit regelmäßig Sendezeit ein. In der Serie "Homemade", jeweils dienstags um 21 Uhr, werden Arbeiten von freien Hörspielmacherinnen und -machern vorgestellt.

Die bisher präsentierten Hörspiele waren keineswegs gefällig, darunter eine Schneefantasie von Bernd Bechtloff und Dietmar Tauchner oder Körpererkundungen von Elodie Pascal und Elisabeth Putz.

In "Urgroßvater", Teil fünf der Serie, entwirft Johannes Töndle das Stimmungsbild einer Landschaft an einem Stausee, der unter dem Kommando des Urgroßvaters von Zwangsarbeitern errichtet wurde. Töndle operiert mit dem aus Tönen und Stimmen kommenden Unbehagen bzw. mit Verlangsamung: Er reiht Worte zäh aneinander, fast so, als wollten sich diese gegen sinnstiftende Zusammengehörigkeit wehren. Schier unendlich lange Pausen ("Er hat eben ........... Fantasie") eröffnen den hier angestrengten Gedanken Zwischenräume.

Manchmal klingt Urgroßvater wie die somnambulen Sprechgesänge des frühen André Heller. Man horcht der müden Landschaft und der in sie eingesickerten Geschichte zu. Nur unscheinbar tauchen Worte wie "Panzer" oder "Häftling" auf. Dabei erhalten die langsam gesprochenen S- und Zischlaute ("scharfe Sense") eine besondere Bedeutung. Sie dehnen sich zu Fließ- und Säuselgeräuschen, bis irgendwann auch das Seewasser überläuft. - Urgroßvater ist kein Hörvergnügen, aber ein Hörspiel, das sein Medium hochhält. Eine Woche lang nachzuhören auf oe1.orf.at/hoerspiel. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 13.2.2014)

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