China: Verwirrung um explodierende Exporte

12. Februar 2014, 19:15
26 Postings

Die zweitgrößte Volkswirtschaft überrascht mit tollen Exportzahlen. Analysten bezweifeln aber die jüngste Stärke Chinas

Peking/Wien - Zu gut, um wahr zu sein. Die Daten zur Entwicklung des chinesischen Außenhandels haben viele Analysten ratlos zurückgelassen. Die Ausfuhren zogen im Jänner um 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat an - mehr als fünfmal so stark wie von Experten erwartet. Die Importe legten mit zehn Prozent fast genauso kräftig zu, wie die Zollbehörde am Mittwoch in Peking mitteilte.

Allerdings weckt das zweistellige Wachstum bei vielen Experten auch Misstrauen: Sie befürchten, dass die Zahlen durch vorgetäuschte Handelsgeschäfte aufgebläht sind. Mit falschen Rechnungen können Firmen die Kapitalkontrollen umgehen und so Geld ins Land schleusen, um sich zu finanzieren. Die Behörden hatten wiederholt versucht, diese Praxis zu unterbinden.

"Rätselhaft"

"Wir finden dieses starke Exportwachstum rätselhaft", sagte der Ökonom Zhang Zhiwei vom Finanzhaus Nomura. "Es ist unklar, ob die Daten die wahre Stärke der Wirtschaft widerspiegeln." Das kräftige Plus ist umso erstaunlicher, da es wegen des diesmal auf den Jänner fallenden Neujahrsfestes weniger Arbeitstage gab.

In Südkorea und Taiwan hatte genau das die Ausfuhren gedrückt. Auch die Unternehmensumfragen signalisierten zuletzt schwächere Geschäfte: Die Einkaufsmanagerindizes, sowohl von staatlichen Behörden wie auch privaten Instituten ermittelt, deuteten im Jänner auf eine schwächelnde Nachfrage hin. Sowohl die in- wie auch die ausländische Nachfrage hätte ausgelassen.

Schattenbanken sorgen für Unsicherheit

Zuletzt ist die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft um 7,4 Prozent gewachsen. Das Jahreswachstum von 2013 war damit das geringste Plus seit 1999. Der Internationale Währungsfonds rechnet in diesem Jahr mit einem Plus von rund 7,5 Prozent. Doch nicht nur das Wachstum in China wirft Fragen auf. Auch an den Finanzmärkten halten Überraschungen die Investoren in Atem.

Anfang des Jahres hat die mögliche Pleite eines Finanzprodukts aus dem sogenannten Bereich der "Schattenbanken" für Unsicherheit gesorgt. Als Schattenbanken gelten Geldhäuser abseits der großen Staatsbanken, die längst in das Geschäft mit Krediten und Finanzprodukten eingestiegen sind. Im Jänner sorgte der Anbieter China Credit Trust für die Unsicherheit - das fragliche Produkt wurde aber wohl mit staatlicher Hilfe aufgefangen.

Kreditklemme und Kohle

Am vergangenen Freitag ist es zudem Medienberichten zufolge zu einem weiteren Zahlungsausfall auf Chinas Schatten-Finanzmarkt gekommen. Jilin Province Trust hat demnach für vermögende Kunden ein Produkt im Wert von knapp 40 Millionen Euro aufgesetzt. Das Geld wurde für einen Kredit an das Kohleunternehmen Shanxi Liansheng Energy genutzt.

Am Freitag wäre das Produkt an sich fällig gewesen, doch Jilin kündigte laut Medienberichten an, dass man nicht wisse, wann das Geld an die Investoren zurückfließe. Technisch gesehen ist das Produkt tatsächlich schon zahlungsunfähig. Auch eine Reihe anderer kleinerer Trust-Produkte sind bereits in Zahlungsverzug.

Kohleindustrie mit Problemen

Chinas Kohleindustrie steht zudem massiv unter Druck, weil die Preise gefallen sind und die Betreiber der Minen in den vergangenen Jahren kreditfinanziert ihre Kapazitäten ausgebaut haben. Die chinesische Bankenaufsicht hat daher in den vergangenen Monaten Institute vor weiterer Kreditvergabe an den Sektor gewarnt. Dazu kommt die staatlich verordnete Einschränkung bei neuen Finanzierungslinien.

Die Kreditvergabe abseits der etablierten Staatsbanken wächst aber enorm. Auch Internetfirmen wie Alibaba machen den Banken das Terrain streitig und haben digitale Sparkonten und Investmentprodukte eingerichtet, die oft doppelt so hohe Renditen versprechen wie traditionelle Bankeinlagen. (sulu/Reuters, DER STANDARD, 13.2.2014)

  • Der Rauch verbrannter Kohle steigt aus einem chinesischen Industrieunternehmen auf. Schwaden treten auch auf dem Finanzmarkt empor, denn die Kohleindustrie droht zum Kreditrisiko zu werden.
    foto: reuters/woo

    Der Rauch verbrannter Kohle steigt aus einem chinesischen Industrieunternehmen auf. Schwaden treten auch auf dem Finanzmarkt empor, denn die Kohleindustrie droht zum Kreditrisiko zu werden.

Share if you care.