Loveparade-Katastrophe: Schuld ohne Gesicht

Kommentar12. Februar 2014, 18:09
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Das Gericht urteilt nicht über politische Verantwortung, sondern über die strafrechtliche Dimension

Für die Hinterbliebenen der 21 Toten, für die vielen Verletzten und Traumatisierten muss die Anklage ein Schlag ins Gesicht sein. Die Loveparade in Duisburg hatte im Sommer 2010 in einer Katastrophe geendet. Nun werden zehn Menschen der unteren Ebenen dafür vor Gericht verantwortlich gemacht.

Weder der damalige Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) noch der Chef der Veranstalterfirma, Rainer Schaller, sind angeklagt. Das ist hart, weil für viele Opfer die Schuld ein Gesicht braucht. Unvorstellbar, dass eine solche Tragödie einfach passiert - zumal aus der Anklage klar herauszulesen ist, dass diese Veranstaltung niemals genehmigt werden dürfen hätte.

Doch die Gier nach einer Megaparty im strukturschwachen Ruhrgebiet hat damals offenbar den Blick auf Details wie Fluchtwege und Rettungsgassen verstellt. Alle haben sie die große Technoparade haben wollen.

Das Gericht aber urteilt nicht über politische Verantwortung, sondern über die strafrechtliche Dimension. Es ist, angesichts der Dimension, ein sehr langes und mühsames Verfahren zu erwarten. Selbst wenn am Ende Strafen dabei herauskommen, sie können das Leid nicht tilgen.

Doch auch der Prozess wird noch einmal dazu beitragen, dass Großveranstaltungen in Deutschland heute besser geplant werden. Und Adolf Sauerland ist anders bestraft worden: durch seine demokratisch organisierte Abwahl. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 13.2.2014)

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