Verpflichtend, aber nicht gratis

12. Februar 2014, 17:08
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Zweites Kindergartenjahr für alle mit Sprachschwächen

Wien - Wer gerade seinen dritten Geburtstag feiert, hat künftig noch ein halbes Jahr Zeit, sich auf die erste große Prüfung im Leben vorzubereiten. Ab 2015 sollen bereits Dreieinhalbjährige eine sogenannte Sprachstandsfeststellung absolvieren, um rechtzeitig herauszufinden, wer in Sachen Kommunikation erhöhten Förderbedarf hat, kündigten Familienministerin Sophie Karmasin und der für Integration zuständige Minister Sebastian Kurz (beide ÖVP) am Mittwoch an. "Diejenigen, die es brauchen" sollen laut Kurz dann verpflichtend ein weiteres Jahr früher - also mit vier Jahren - in den Kindergarten gehen.

Was stark nach Zwang klingt, würde von den Eltern in den meisten Fällen als Hilfsangebot verstanden, resümiert Kurz die Erfahrungen aus zwei Modellregionen. Gratis soll das zweite Pflichtkindergartenjahr entgegen früheren Ankündigungen der Regierung aber nicht sein. Kurz betont, dass der Kindergartenbesuch in vielen Bundesländern bereits gratis sei und "für diejenigen, die sich das nicht leisten können, wird man finanzielle Hilfen finden müssen".

Prävention statt Reaktion

Laut Statistik Austria haben 2012/13 bereits 94,3 Prozent der Vierjährigen einen Kindergarten besucht. Gerade jene, die den Besuch zur Sprachförderung am meisten bräuchten, werden laut Kurz aber derzeit nicht erreicht.

Diese Fokussierung auf den Aspekt Sprache kritisiert Raphaela Keller von der im elementarpädagogischen Bereich aktiven Plattform Educare im Standard-Gespräch: "Einen Bereich herauszunehmen ist zu wenig. Die Regierung muss endlich verstehen, dass sie in Präventivmaßnahmen investieren muss." Die Mittel in Höhe von 350 Millionen Euro wären in ausgeweiteten Öffnungszeiten, besseren qualitativen Rahmenbedingungen und einer höheren Attraktivität des Pädagogenberufs besser angelegt. (riss, DER STANDARD, 13.2.2014)

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