TUI-Chef rechnet mit seinem Vorgänger ab

12. Februar 2014, 18:00
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Touristikkonzern bereut den Verkauf des Reisegeschäfts nach Großbritannien

Hannover - Tui-Chef Friedrich Joussen hat nach seinem ersten Jahr an der Konzernspitze deutliche Kritik an der Arbeit seines Vorgängers Michael Frenzel geübt. Das verlorengegangene Vertrauen der Aktionäre habe den Konzern zwischenzeitlich "in eine sehr gefährliche Lage gebracht", sagte Joussen bei der Hauptversammlung, ohne allerdings Frenzels Namen zu nennen.

"Der Konzern wurde als Wertvernichter angesehen." Netto seien pro Jahr 100 Millionen Euro Barmittel aus dem Unternehmen abgeflossen. Die Verkleinerung der laut Joussen zuvor "überdimensionierten" Konzernzentrale sei daher unumgänglich gewesen.

Minus von 141 Millionen

Trotz Fortschritten beim Konzernumbau hat Tui die Verluste nicht eindämmen können. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 belief sich das Minus im operativen Geschäft auf 141 Millionen Euro - eine Million weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Winter schreiben Tourismusunternehmen wie Tui oder die Airlines üblicherweise rote Zahlen - Geld wird erst mit Badeurlauben im Sommer verdient.

Die Sanierung der Geschäfte mit Spezialreisen wie etwa Expeditionen oder Yachtkreuzfahrten komme voran. Zudem habe die maue Nachfrage nach Ägypten-Reisen mit höheren Gästezahlen auf den Kanarischen Inseln kompensiert werden können.

Kernproblem bleibt

Den Sanierungskurs hat Konzernchef Joussen dem 75.000 Mitarbeiter starken Traditionsunternehmen verordnet. Der frühere Chef von Vodafone in Deutschland hat sich einiges vorgenommen und will unter anderem das Kreuzfahrtgeschäft wieder auf Kurs bringen und das Portfolio der zahlreichen Reise- und Hotelmarken straffen.

Doch für das Kernproblem von Tui hat auch der Neue vorerst keine Lösung. Joussen hat von seinem Vorgänger Frenzel ein komplexes Unternehmensgeflecht geerbt: Die Tui AG aus Hannover hat ihr Reisegeschäft vor Jahren nahezu komplett bei Tui Travel in Großbritannien gebündelt. Dieses steuert das Gros der Umsätze bei. Mittlerweile bereuen die Niedersachsen den Schritt, da sie nicht genug Geld in der Kasse haben, um die restlichen Anteile an der britischen Tochter zu kaufen. (Reuters/cr, DER STANDARD, 13.2.2014)

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