Walter Kogler und seine Mission 2016

12. Februar 2014, 16:22
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Der Kärntner Ex-Teamspieler ist gut in der dritten deutschen Liga angekommen. Mit Erfurt sind die Ziele mittelfristig angelegt

Samstag, 14 Uhr, Anpfiff im Steigerwaldstadion zu Erfurt: Der örtliche Drittligist Rot-Weiß empfängt die deutsche Red-Bull-Fußballtochter aus Leipzig. Die Duelle ostdeutscher Vereine mit RB haben seit dem Start des Projekts vor viereinhalb Jahren immer eine besondere Note. Für viele Fans sind sie Kreuzzüge gegen all das, was sie als Auswüchse des "modernen Fußballs" ablehnen. Auch jetzt sind wieder 11.000 Zuschauer ins weite Rund des maroden Erfurter Stadions gekommen, in der Hoffnung, dass ihre Mannschaft den unaufhaltsam scheinenden Vormarsch der Leipziger wenn nicht aufhalten, so doch zumindest verzögern kann. Am Spielfeldrand steht der Mann, auf dessen Schultern diese Hoffnung ruht: Walter Kogler ist seit vergangenem Sommer Trainer von Rot-Weiß Erfurt.

Der ÖFB-Teamspieler vergangener Tage hat seinen durchaus überraschenden Wechsel in die Landeshauptstadt Thüringens nicht bereut. "Der Verein ist vom Umfeld her aufgestellt wie ein Mittelständler oder Klub aus dem unteren Drittel der österreichischen Bundesliga", sagt Kogler. "Die dritte Fußball-Liga hat in Deutschland höhere Umsätze als die höchsten Basketball-, Handball- und Eishockeyspielklassen. " Ein Zuschauerandrang wie gegen Leipzig ist nichts Ungewöhnliches in dieser Liga, die auch offiziell als Profiklasse geführt wird. Die Spiele der Erfurter besuchen im Schnitt 6.000 Menschen.

Hörtnagls Anruf

Im Oktober 2012 war Kogler bei Wacker Innsbruck nach vier erfolgreichen Jahren entlassen worden. "Die Zeit in Innsbruck war sehr intensiv", erinnert sich der 46-Jährige. "Ich wollte nicht ein, zwei Monate danach wieder eine Mannschaft trainieren." Um "runterzukommen", wie Kogler sagt, nahm sich der Kärntner eine Auszeit, kehrte erst im Frühjahr als Sky-Experte wieder aktiv ins Fußball-Business zurück. Im Sommer folgte der Anruf aus Erfurt. Am Apparat: Alfred Hörtnagl. Der Ex-Rapidler arbeitet seit Januar 2013 als Sport-Vorstand bei Rot-Weiß.

Beide Seiten waren auf Anhieb voneinander angetan. "Vom Präsidenten bis zum Sport-Vorstand war ich der Wunschkandidat", sagt Kogler. Seine Aufgabe in Erfurt ist klar, sie heißt "Mission 2016": Spätestens zum 50-jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 2016 will der 1966 in der DDR in seiner jetzigen Form gegründete Traditionsklub den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft haben. Bis dahin soll auch eine neue Multifunktionsarena in der Stadt errichtet werden, laut Kogler "ein starkes Argument" für sein Engagement.

Gelegte Anfangseuphorie

Nach seiner Ankunft in Erfurt benötigte Kogler keine besondere Eingewöhnungszeit. Dem Österreicher  gelang mit 17 Punkten aus den ersten neun Spielen ein nahezu perfekter Start. Mittlerweile hat sich die Anfangseuphorie etwas gelegt. Koglers Team, das sich ähnlich wie zu dessen Innsbrucker Zeit mehrheitlich aus jungen Spielern zusammensetzt, hat den hohen Punkteschnitt nicht halten können und rangiert nur noch auf Rang sieben der 20er-Liga. Auch Kogler bewirkt keine Wunder: Die prestigeträchtigen Duelle mit dem Krösus RB Leipzig sind beide mit 0:2 verloren gegangen. Am vergangenen Samstag sorgen zwei individuelle Fehler für die Rückspiel-Niederlage der Erfurter und für Enttäuschung bei den Fans. Zu seinem dritten Einsatz im Erfurter Dress kam dabei der Wiener Christopher Drazan, den der Zweitligist 1. FC Kaiserslautern zur Rückrunde an Rot-Weiß verliehen hat.

Aus Kogler Sicht keine überraschende Entwicklung, denn Verletzungen und Abgänge haben seine Mannschaft geschwächt. Die dritte Liga ist auch in Deutschland keine Wohlfühloase. Sie wurde wegen der im Vergleich zur zweiten Spielklasse weit geringeren Fernsehgelder schon als "Todesliga" bezeichnet. Zahlreiche Teams wollen, manche müssen geradezu aufsteigen. "Es ist ein sehr harter Kampf", sagt Kogler.

Ein Kampf, dem sich die Erfurter ein wenig entziehen. "Wir hecheln nicht dem Relegationsplatz hinterher", erklärt Kogler. Die Sicherung des Klassenerhalts sowie die Entwicklung der jungen Mannschaft stehen diese Saison im Vordergrund. "Unser grundsätzliches Ziel ist der Aufbau der Basis für die nächsten Jahre", sagt Kogler. Der Kärntner hat in Thüringen noch eine Mission zu erfüllen. (Jörn Wenge, derStandard.at, 12.2.2014)

  • "Wir hecheln nicht dem Relegationsplatz hinterher"
    foto: reuters/hofer

    "Wir hecheln nicht dem Relegationsplatz hinterher"

  • Rafael Czichos und Marius Strangl von Erfurt wollen Rasenballer Daniel Frahn den Ball abluchsen.
    foto: red bull media

    Rafael Czichos und Marius Strangl von Erfurt wollen Rasenballer Daniel Frahn den Ball abluchsen.

  • Ein Stimmungsbild aus dem Steigerwaldstadion.

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