Wiener Deserteursdenkmal: Baustart nach Ostern

12. Februar 2014, 17:00
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Mailath-Pokorny wünscht sich Eröffnung am Nationalfeiertag - Text für Erklärungstafel in Arbeit

Wien - Das Wiener Deserteursdenkmal am Ballhausplatz nimmt demnächst konkrete Formen an: Der Baustart für das Mahnmal zum Gedenken an die Opfer der NS-Militärjustiz soll nach Ostern, also in der zweiten Aprilhälfte erfolgen, kündigte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) am Mittwochnachmittag an. Die Fertigstellung der Treppenskulptur ist bis Herbst vorgesehen.

"Der 26. Oktober (Nationalfeiertag, Anm.) wäre ein idealer Eröffnungstermin", sagte Mailath-Pokorny, der bei einem Fototermin mit dem grünen Klubchef David Ellensohn über den Stand der Dinge informierte. Die Ausgestaltung des Denkmals steht schon länger fest. Sie folgt einem Entwurf des in Deutschland geborenen Künstlers Olaf Nicolai, der im vergangenen Sommer zum Wettbewerbssieger gekürt wurde.

Denkmal soll Ort der Zivilgesellschaft werden

Umgesetzt wird eine begehbare dreistufige Treppenskulptur in blauem Grundton, die ein zehn mal neun Meter großes liegendes X darstellt. In die Oberfläche wird eine Inschrift eingelassen, die lediglich aus den Worten "all" und "alone" besteht und ein Gedicht des schottischen Lyrikers Ian Hamilton Finlay zitiert.

Der in Schreibmaschinentypografie gehaltene Text verweise etwa auf die Frage, wie man sich als Einzelner in der Gesellschaft verhält, wenn man nicht deren Meinung teilt, sagte Nicolai am Mittwoch. Er wünscht sich, dass der Standort des Denkmals auch ein Ort werde, "an dem die Zivilgesellschaft aktiv ist und sich zeigt". Die Wehrmachtdeserteure seien keine "Opfer, sondern Täter im positiven Sinne gewesen", da sie bewusst und aus unterschiedlichen Gründen ihre Entscheidung getroffen hätten.

Laut Mailath-Pokorny wird neben der Gedenkstätte eine Erklärungstafel mit deutschen und englischen Erläuterungen angebracht. Der Text werde gemeinsam mit dem Personenkomitee "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz" erarbeitet, das bereits in die Standortdebatte einbezogen war. Auch über weiterführende Vermittlungsformen wird noch gesprochen.

Die Errichtung eines Denkmals für NS-Wehrmachtsdeserteure hatte die rot-grüne Stadtregierung in ihrem Koalitionspapier verankert. Als Budget wurden 150.000 Euro netto festgelegt. (APA, 12.2.2014)

  • Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und der grüne Klubchef David Ellensohn mit dem Künstler Olaf Nicolai.
    foto: der standard/newald

    Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und der grüne Klubchef David Ellensohn mit dem Künstler Olaf Nicolai.

  • Die Fertigstellung der Treppenskulptur ist bis Herbst 2014 vorgesehen.
    foto: der standard/newald

    Die Fertigstellung der Treppenskulptur ist bis Herbst 2014 vorgesehen.

  • Die Realisierung eines Denkmals für NS-Wehrmachtsdeserteure hatte die rot-grüne Stadtregierung in ihrem Koalitionspapier verankert.
    foto: der standard/newald

    Die Realisierung eines Denkmals für NS-Wehrmachtsdeserteure hatte die rot-grüne Stadtregierung in ihrem Koalitionspapier verankert.

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