Zweites Kindergartenjahr verpflichtend, aber nicht gratis

12. Februar 2014, 14:48
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Wer Schwierigkeiten mit der Sprache hat, muss künftig mit vier Jahren in den Kindergarten

Wien – Wer gerade seinen dritten Geburtstag feiert, hat künftig noch ein halbes Jahr Zeit, sich auf die erste große Prüfung im Leben vorzubereiten. Ab 2015 sollen bereits Dreieinhalbjährige eine sogenannte Sprachstandsfeststellung absolvieren, um rechtzeitig herauszufinden, wer dabei erhöhten Förderbedarf hat, kündigten Familienministerin Sophie Karmasin und der für Integration zuständige Minister Sebastian Kurz (beide ÖVP) am Mittwoch an. "Diejenigen, die es brauchen", sollen laut Kurz dann verpflichtend ein Jahr früher – also mit vier Jahren – in den Kindergarten gehen.

Was stark nach Zwang klinge, werde von den Eltern in den meisten Fällen als Hilfsangebot verstanden, resümierte Kurz die Erfahrungen aus zwei Modellregionen. Gratis soll das zweite Pflichtkindergartenjahr entgegen früheren Ankündigungen der Regierung aber nicht sein. Kurz betonte, dass der Kindergartenbesuch in vielen Bundesländern bereits gratis sei und "für diejenigen, die sich das nicht leisten können, wird man finanzielle Hilfen finden müssen". Später relativierte Kurz, man wolle weiter an den Plänen festhalten, jenen Kindern mit Förderbedarf den Kindergartenbesuch kostenfrei zu ermöglichen. 

Prävention statt Reaktion

Laut Statistik Austria haben 2012/13 bereits 94,3 Prozent der Vierjährigen einen Kindergarten besucht. Gerade jene, die den Besuch zur Sprachförderung am meisten bräuchten, werden laut Kurz aber derzeit nicht erreicht.

Genau diese Fokussierung auf den Aspekt Sprache kritisiert Raphaela Keller von der im elementarpädagogischen Bereich aktiven Plattform Educare im Gespräch mit dem STANDARD: "Einen Bereich herauszunehmen ist zu wenig. Die Regierung muss endlich verstehen, dass sie in Präventivmaßnahmen investieren  muss."

Die geplanten Mittel in Höhe von 350 Millionen Euro bis 2018 wären für Keller besser angelegt in einer Ausweitung der Öffnungszeiten, in besseren qualitativen Rahmenbedingungen und einer höheren Attraktivität des Berufs für Pädagoginnen. (riss, derStandard.at, 12.2.2014)

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