Auf Samoa stand ein scharlachrotes Haus

12. Februar 2014, 17:00
posten

Der Neuseeländer Lemi Ponifasio zeigt die höheren Perspektiven der Überwachung

Das bekommen schlimme Christenkinder oft zu hören: "Der liebe Gott sieht und hört alles." Heute ist die göttliche Überwachung auf die Erde herabgestiegen und geistert durch den Cyberspace.  

Im Festspielhaus St. Pölten zeigt der neuseeländische, auf Samoa geborene Choreograf Lemi Ponifasio am 28. März sein jüngstes Stück Crimson House. Und darin, dass die allüberwachende Güte nicht nur Sache eines biblischen Gottes ist. Denn dem Glauben der Samoaner zufolge hat sich auf ihrer Insel einst ein einheimischer Gott ein "scharlachrotes Haus" gebaut, von dem aus auch er die Menschen beobachtete.

Theologen könnten demnach argumentieren, dass der Preis für einen erhofften göttlichen Schutz Religionen übergreifend das restlose Erfassen der zu Schützenden durch die Himmelsmacht sein kann.

Ponifasio lässt sich hier allerdings nicht auf weitere religiöse Überlegungen ein, sondern nimmt das Crimson House zum Ausgangspunkt für sehr reale Perspektiven auf unsere Gesellschaft.

Als Choreograf und Regisseur schätzt der renommierte Künstler, der nun nach langer Zeit endlich wieder auch in Österreich zu sehen ist, seine relative Abgeschiedenheit in Neuseeland. Diese garantiert, dass er und seine 1995 gegründete Company Mau ihre Arbeit mit großer Eigenständigkeit entwickeln können. (ploe, Spezial, DER STANDARD, 13.2.2014)


Dieser Artikel entstand mit finanzieller Unterstützung des Festspielhaus St. Pölten. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Wer schaut hier, zu Boden gestreckt, aus dem "Crimson House"? Nach langer Zeit der Absenz kommt Lemi Ponifasio wieder nach Österreich. Er hat ein brisantes Thema im Gepäck. 
    foto: mau

    Wer schaut hier, zu Boden gestreckt, aus dem "Crimson House"? Nach langer Zeit der Absenz kommt Lemi Ponifasio wieder nach Österreich. Er hat ein brisantes Thema im Gepäck. 

Share if you care.