Herz-Kreislauferkrankungen: Forscher sind molekularen Ursachen auf der Spur

12. Februar 2014, 11:47
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Grazer Forscher wollen die für den krankmachenden Verlauf verantwortlichen molekularen Mechanismen mit systemmedizinischen Ansätzen identifizieren

Graz - Herz-Kreislauf-Krankheiten stellen nach wie vor die mit Abstand häufigste Todesursache weltweit dar. Die molekularen Ursachen für die oft lange unbemerkten Erkrankungen, die vom Gefäßsystem oder vom Herzen ausgehen, sind weitgehend unbekannt. Forscher der Medizinischen Universität Graz (MUG) wollen nun mit dem Forschungsprojekt "SysVasc" diese molekularen Mechanismen identifizieren.

Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems umfassen etwa Herzinfarkte und Schlaganfälle, Herzinsuffizienz, plötzliche Herztodesfälle als Folge von Herzrhythmusstörungen oder das Vorhofflimmern. "Die Gefahr von kardiovaskulären Erkrankungen liegt vor allem darin, dass sie sich häufig über Jahre unentdeckt im Körper entwickeln, bis sie zu Symptomen wie etwa Brustschmerzen oder sogar Herzinfarkt führen", sagt Burkert Pieske, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Med-Uni Graz.

Ein europäisches Forschungskonsortium unter seiner Leitung bemüht sich nun, die für den krankmachenden Verlauf verantwortlichen molekularen Mechanismen mit systemmedizinischen Ansätzen zu identifizieren. Damit sollen künftig Betroffene vor den Folgen zu spät entdeckter krankhafter Gefäßveränderungen bewahrt werden.

Maßgeschneiderte Wirksubstanzen entwickeln

Die Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind zum Teil sehr komplex: Zahlreiche genetische Faktoren, Moleküle und Interaktionen zwischen Molekülen spielen bei der Entstehung eine maßgebliche Rolle. Mithilfe von systembiologischen Forschungsansätzen wollen die Forscher - Biochemiker, Mediziner, Mathematiker und Informatiker - die Entstehungsmechanismen besser verstehen. Dabei werden Daten aus den Hochdurchsatzdisziplinen (Genomik, Proteomik, Transkriptomik, Metabolomik usw.) sowie der mathematischen Modellierung und Simulation integriert.

Wenn die spezifischen Faktoren, die eine Rolle in der Entstehung, dem Bestehen und der Ausbreitung der Krankheit, identifiziert sind, könnten aufgrund dieser "Targets" (Zielstrukturen) maßgeschneiderte Wirksubstanzen entwickelt werden, so die Hoffnung der Wissenschaftler.

"Basierend auf einer umfassenden Ursachenforschung wird zukünftig eine bessere und auf die individuelle Situation abgestimmte Früherkennung und damit eine gezieltere, effektivere und nebenwirkungsärmere Behandlung möglich sein", lautet die optimistische Einschätzung von Burkert Pieske. (APA/red, derStandard.at, 12.2.2014)

 

Infos zum Forschungsprojekt:

Im Rahmen des Projektes "SysVasc" (Systems Biology to Identify Molecular Targets for Vascular Disease Treatment) erheben und analysieren Wissenschafter aus zehn Ländern bis Ende 2017 Daten von zehntausenden Patienten. So sollen u.a. mithilfe der Proteom-Muster-Analyse krankheitsspezifische Veränderungen sichtbar werden, die dann als diagnostische Biomarker eingesetzt werden könnten. Die EU fördert das Projekt mit rund sechs Millionen Euro.

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