Positive Entscheidung zu Abtreibung in der Schweiz

Leserkommentar12. Februar 2014, 10:29
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Schweizer Krankenkassen bezahlen weiterhin den Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft - ein wichtiges Zeichen

Die Schweizer Bevölkerung bestätigte in einer Abstimmung am vergangenen Sonntag eindrucksvoll, was in vielen westeuropäischen Ländern selbstverständlicher Standard ist: Frauen und Mädchen mit einer ungewollten Schwangerschaft werden im Rahmen der Solidargemeinschaft wie bisher kostenfrei medizinisch behandelt.

Vergleich zu Österreich

In Österreich führt die fehlende Kostenübernahme eines Schwangerschaftsabbruchs fallweise zu massiven finanziellen Problemen insbesondere bei Frauen bzw. Familien mit mehreren Kindern und geringem Einkommen. Es ist schwer nachvollziehbar, warum diese soziale Ungerechtigkeit beibehalten werden soll. Warum müssen Frauen, die regelmäßig ihre Sozialversicherungsbeiträge leisten, für dringende medizinische Behandlungskosten privat aufkommen? Und warum werden dadurch Frauen belastet, die bereits eines oder mehrere Kinder haben und einfach keine Kraft oder Unterstützung haben für ein weiteres Kind verantwortungsvoll zu sorgen?

Gründe für Abbruch oft verkannt

In der öffentlichen Diskussion werden die Gründe, warum Frauen sich für einen Abbruch entscheiden, oftmals verkannt. Die Mehrheit der Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft abbrechen, haben bereits Kinder und auch wegen dieser konkreten persönlichen Erfahrungen entscheiden sie sich gegen eine weitere Schwangerschaft. Sie treffen diese Entscheidung zum Abbruch, weil sie sich nicht in der Lage  sehen ein (weiteres) Kind verantwortungsvoll ins Leben zu begleiten.

Es ist eine Frage von Grenzen persönlicher Ressourcen wie Energie, Zeit, emotionaler Zuwendung und häufig auch wegen der fehlenden Unterstützung durch den Partner. Viele Frauen haben grundsätzlich noch einen Kinderwunsch, nur in der momentanen Lebenssituation sprechen eben mehrfach Gründe dagegen. Die Entscheidung zum Abbruch ist immer eine durchdachte und verantwortungsbewusste Entscheidung.

Frauen stehen oft alleine da

In Österreich müssen Frauen einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch oder eine Kürettage selbst bezahlen. In der Praxis beteiligen sich die meisten Partner freiwillig an den Kosten, aber es gibt natürlich auch Partner, die den Kontakt abbrechen. Dann stehen Frauen vollkommen alleine da. Würden die Kosten von der Krankenkasse bezahlt, würde das die Lebenssituation der Frauen deutlich stärken und sie unabhängiger machen vom Goodwill des Partners und der Suche nach einer möglichst billigen Abbruchsmöglichkeit.

Der Fall einer Wiener Ärztin, die Abbrüche zum Dumpingpreis und für Frauen gesundheitsgefährdend durchgeführte, zeigt exemplarisch das Problem: auch wenn es heute keine Engelmacherinnen mehr gibt, so bewirkt die fehlende Kostenübernahme, dass Frauen mit geringem Einkommen gezwungen sind dorthin zu gehen, wo Abbrüche am billigsten durchgeführt werden. Eine Gesundheitsgefährdung für Frauen und Mädchen, die es auch künftig in der Schweiz nicht geben wird. (Leserkommentar, Petra Schweiger, derStandard.at, 12.2.2014)

Petra Schweiger arbeitet im Frauengesundheitszentrum ISIS in Salzburg.

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