Zwei Goldene und ein ÖSV-Abfahrtsdebakel

12. Februar 2014, 09:42
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Schweizerin Gisin und Slowenin Maze gewinnen ex aequo vor Lara Gut - Alle Österreicherinnen hinter der besten Ungarin

Edit Miklos war zunächst einmal völlig aus dem Häuschen, nachdem sie sich mitten in die Elite der alpinen Skifahrt gedrängt hatte, nur um 71 Hundertstelsekunden länger auf dem Berg war als die beiden Olympiasiegerinnen, die Slowenin Tina Maze und die Schweizerin Dominique Gisin.

Die 25-Jährige aus dem Seklerland in Siebenbürgen, also Rumänien, in dem die Mehrheit der Bevölkerung ungarisch ist, die nach den Vancouver-Spielen 2010 die ungarische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, wurde Siebente. "Ich bin nicht glücklich", sagte sie nachher, "ich wollte eine Medaille." Im Weltcup war ihr bestes Abfahrtsergebnis bisher ein 13. Platz gewesen. Die Österreicherinnen und manch andere Favoritin wie Julia Mancuso (8.) oder Maria Höfl-Riesch (13.) hatte sie diesmal im Kaukasus freilich im Griff. Das mag auch daran liegen, dass Miklos in Österreich trainiert, im alpinen Leistungszentrum Innerkrems. Abgesehen davon mag sie kaukasische Schäferhunde.

Nicole Hosp, die Silberne in der Kombi, wurde Neunte, Elisabeth Görgl landete auf dem 16., Cornelia Hütter auf dem 24. Platz. Anna Fenninger war im oberen Teil flott unterwegs, doch dann verpasste sie ein Tor. Görgl, die Bronzene von Vancouver und Weltmeisterin 2011, war tags zuvor kurz vor elf Uhr am Abend von Doping-Kontrolleuren besucht worden, beim Einfahren vor dem Rennen stürzte sie, nachdem ihr eine andere Skifahrerin über die Skier gefahren war. Das Österreichische Olympische Comité (ÖOC) legte Protest gegen den Zeitpunkt der Kontrolle ein, auf dass sich Derartiges nicht wiederhole. Wolfgang Schobersberger, Leiter des ÖOC-Ärzteteams in Sotschi: "Wir unterstützen den Kampf gegen Doping zu 100 Prozent. Aber diese späte Kontrolle, in der Nacht vor dem Wettkampf, geht entschieden zu weit."

Tina Maze, routiniert im Sieg und in der Superkombi dennoch nur Vierte, besorgte Slowenien das erste Gold bei Olympischen Winterspielen überhaupt. Dazu passte es, dass Janez Kocijanic, der slowenische Vizepräsident des Internationalen Skiverbandes, bei der Flower Ceremony im Zielgelände in Rosa Chutor die Sträuße überreichte. Dominique Gisin bescherte der Schweiz die bereits fünfte Goldene in der Damenabfahrt, die erste seit 1984, als Michela Figini in Sarajevo gewonnen hatte. Erstmals in der olympischen Geschichte des alpinen Skilaufs gab es ein Ex-aequo-Ergebnis an der Spitze, geteilt wird aber nur der Sieg, nicht das Gold. Denn auf der Piste gibt es gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

Ans Teilen gewöhnt

Sowohl die 30-jährige Slowenin als auch die 28-jährige Schweizerin haben schon Erfahrung im Teilen. 2002 in Sölden waren nach zwei Riesenslalom-Durchgängen sogar drei Läuferinnen zeitgleich: Hosp und Maze, die damals ihren ersten Weltcupsieg feierten, sowie die Norwegerin Andrine Flemmen. Auch Gisin gehörte ihr erster Weltcupsieg von bisher dreien nicht allein. Er passierte 2009 bei der Abfahrt in Zauchensee, und sie teilte ihn mit der Schwedin Anja Pärsson.

Lara Gut war um ein Zehntel zu langsam für Gold und dennoch heilfroh über die Medaille. Ganz im Gegensatz zu Hans Knauß anno 1999 bei der WM in Vail, als er im Super-G als Dritter die zeitgleichen Hermann Maier und Lasse Kjus um ein Hundertstel verpasst hatte und tief betrübt war.

"Ich bin hierhergekommen, um Gold zu holen", sagte Maze, die zweifache Weltmeisterin, die schon vor vier Jahren aus Vancouver zwei Silberne mitgenommen hatte. Sie, die mit ihrem eigenen Team unterwegs ist (Team to aMaze), welches von ihrem Lebensgefährten Andrea Massi geleitet wird, ist in allen Disziplinen sattelfest. Sie, die ebenfalls viel in Österreich trainiert, hat im Weltcup schon in allen gewonnen, hält bei 23 Siegen. Bei ihrem Gesamt-Weltcupsieg 2013 überbot sie den 2000-Punkte-Rekord von Hermann Maier um 180 Punkte.

Die nächste olympische Gelegenheit in Rosa Chutor bietet sich am Samstag im Super-G. Für die Österreicherinnen ist das die Gelegenheit zur Revanche. (Benno Zelsacher aus Rosa Chutor, DER STANDARD, 13.2.2014)

 

Ergebnis

Damen-Abfahrt

  • Dominique Gisin (l.), heuer noch nie am Podest, hat ihren Traumlauf realisiert und feiert mit Tina Maze.
    foto: ap/mabanglo

    Dominique Gisin (l.), heuer noch nie am Podest, hat ihren Traumlauf realisiert und feiert mit Tina Maze.

  • Die Slowenin bestätigt ihre Rolle als Mitfavoritin eindrucksvoll.
    foto: epa/fredrik von erichsen

    Die Slowenin bestätigt ihre Rolle als Mitfavoritin eindrucksvoll.

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