Wie Rechtsextreme "russisches Facebook" zur Jagd auf Homosexuelle nutzen

12. Februar 2014, 09:11
286 Postings

Gruppen wie "Occupy Paedophilia" locken schwule Männer über VKontakte in die Falle und verbreiten Videos über ihre Angriffe

Mit 239 Millionen Nutzern ist VKontakte eines der größten sozialen Netzwerke der Welt. Doch die gerne als "russisches Facebook" bezeichnete Plattform hat auch eine äußerst dunkle Seite. So wird sie intensiv von russischen Rechtsextremen für ihre Aktivitäten genutzt, wie der britische "Guardian" berichtet.

Falle

Gruppen wie "Occupy Paedophilia" sind es, die sich mithilfe von VKontakte auf Menschenjagd begeben. Über die Profilseiten suchen sie sich Personen aus, die sich selbst als schwul bezeichnen, und geben vor, an einem Date interessiert zu sein. Geht der Betroffene in die Falle, wartet eine Gruppe von Schlägern auf ihn. "Occupy Paedophilia" nennt diese gezielten Angriffe "Safaris".

90.000 "Fans"

Damit nicht genug, filmen sich die Angreifer bei ihrem Treiben auch noch und veröffentlichen anschließend diese Videos via VKontakte und andere Plattformen. "Occupy Paedophilia" hat auf diese Weise eine Gefolgschaft von rund 90.000 "Fans" auf VKontakte erzielt. Auch wenn "Occupy Paedophilia" einen entsprechenden Hintergrund gerne bestreitet, ist aufgrund von in den Videos immer wieder zu sehenden Abzeichen und Symbolen klar, dass sich die Organisation vor allem aus rechtsextremen Kreisen rekrutiert.

"Neutral"

VKontakte selbst bestreitet, gegenüber solchen Gruppen besonders tolerant zu sein. Man sei bemüht, Inhalte, die Gewalt zeigen, so schnell wie möglich zu löschen. Auch blockiere oder lösche man Gruppen, in denen zur Gewalt gegen Homosexuelle aufgerufen wird. Zudem betonen die Betreiber, dass VKontakte die einzige russische Plattform sei, die es erlaube, einen Beziehungsstatus mit einer Person des eigenen Geschlechts einzugehen. Allerdings wolle man keinerlei "ideologische Position einnehmen" und lege hohen Wert auf freie Meinungsäußerung, solange nicht zu gegen das Gesetz verstoßenden Handlungen aufgerufen werde.

Weitreichend

Allerdings ist VKontakte bei weitem nicht das einzige Netzwerk, das Probleme mit der Entfernung entsprechenden Materials hat. So werden laufend Videos solcher Attacken auf Youtube hochgeladen, auch benutzen russische Faschisten gerne Twitter zur Verbreitung dieser Hasspropaganda.

Gesetzgebung

Menschenrechtsgruppen wie Human Rights Watch sehen einen klaren Zusammenhang zwischen den Aktivitäten von Gruppen wie "Occupy Paedophilia" und der homosexuellen- und transgenderfeindlichen Gesetzgebung in Russland. Diese feuere die Angreifer nicht nur an, sie führe auch dazu, dass solche Attacken ohne Konsequenzen blieben. Behörden würden Anzeigen wegen solcher Attacken oftmals grundsätzlich nicht weiterverfolgen oder von vornherein ablehnen. Erst vor kurzem hat die Menschenrechtsorganisation ein Video veröffentlicht, in dem mit Originalaufnahmen recht drastisch die Angriffe auf die LGBT-Community dokumentiert werden. (red, derStandard.at, 12.2.2014)

  • Immer wieder kommt es in Russland zu Attacken auf Homosexuelle und Transgender, wie hier im Rahmen einer Gay Pride in St. Petersburg Mitte 2013. Mittlerweile machen rechtsextreme Gruppen aber auch über soziale Netzwerke wie VKontakte gezielte Jagd auf LGBT-Personen.
    foto: alexander demianchuk / reuters

    Immer wieder kommt es in Russland zu Attacken auf Homosexuelle und Transgender, wie hier im Rahmen einer Gay Pride in St. Petersburg Mitte 2013. Mittlerweile machen rechtsextreme Gruppen aber auch über soziale Netzwerke wie VKontakte gezielte Jagd auf LGBT-Personen.

Share if you care.