Ein Billigbier für die Ärmsten

Kolumne18. Februar 2014, 17:12
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Sorghum gilt als minderwertiges Material bei der Bierproduktion - zu Unrecht

Ding Place in Ruaka, einem wenig attraktiven Vorort von Nairobi, ist keine Bar, die man als Tourist besuchen würde. Aber wenn man das Senator-Bier kosten möchte, gibt es keinen besseren Platz, versichern die Mitarbeiter von East African Breweries.

Denn die Marke Senator ist keine der Nobelmarken. Keg-Beer, also Fassbier, gezapft mit handgepumpter Druckluft in erkennbar abgenutzte, aber immerhin saubere Gläser. Wenig Schaum. Aber ein überraschend frisches, fruchtiges Aroma: Man würde glauben, einen Teller mit aufgeschnittenen Birnen vor sich zu haben. Hat man aber nicht - sondern ein trüb-gelbes Bier mit wenig CO2-Gehalt. Der Antrunk ist aufgrund der geringen Karbonisierung mild, eine ganz leichte Süße kommt durch, und die Bittere bleibt dezent im Hintergrund. Auch der Alkoholgehalt, immerhin sechs Prozent, ist gut verborgen. Ein Bier, dessen hohe "Drinkability" man neidlos anerkennen muss.

So ist es auch gedacht, geben die Brauer unumwunden zu: Es handelt sich um ein aus reinem Sorghum gebrautes Gebräu - weitab vom Reinheitsgebot, ein Billigbier für die Ärmsten, wie man es in Europa allenfalls in Kriegszeiten gebraut hat. Dabei hätte gerade so ein Bier das Zeug, in den Pubs und Bierbars der entwickelten Welt zum Kultgetränk zu werden und Cider zu verdrängen - entsprechende Abfüllung vorausgesetzt. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 14.2.2014)

  • Die Ding Place Bar in Nairobi.
    foto: conrad seidl

    Die Ding Place Bar in Nairobi.

  • Sorghum stammt ursprünglich aus Ostafrika und wird unter anderem auch als Futter- und Energiepflanze verwendet.
    foto: ap / firdia lisnawati

    Sorghum stammt ursprünglich aus Ostafrika und wird unter anderem auch als Futter- und Energiepflanze verwendet.

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