Ja, Panik vor der hanseatischen Kellertür

11. Februar 2014, 23:34
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Halb Hamburg bekniet Magath, den drohenden Abstieg des HSV abzuwenden - Am Mittwoch warten im Pokal die Bayern

Hamburg - Die feine, ins Berlinerische entschwundene burgenländische Musikpartie namens "Ja, Panik" hat gut lachen. Ihre Hertha - an sich die graue Maus unter den schillernden deutschen Bundesligisten - hat am Samstag den HSV daheim in Hamburg zur sechsten Niederlage en suite und somit direkt und für den HSV erstmals vor die Kellertür gebackpfeift (bzw. backgepfiffen). Und dort, vor der Kellertür, herrscht nun, aller hanseatischen Soigniert- und Gelassenheit sozusagen hohnsprechend: ja, Panik.

Die Fans taten, was Fans eben zuweilen so tun: Sie randalierten; attackierten Spieler und deren Automobile und schließlich vor lauter Verzweiflung auch gleich einander.

Der Aufsichtsrat der HSV-AG tat, was Aufsichtsräte halt so tun: Er tagte und beriet und entschloss sich vorderhand noch nicht dazu, den glücklosen Trainer Bert van Marwijk zu verabschieden. Er soll - weiterhin unter Vorstandschef Carl Jarachow und Sportchef Oliver Kreuzer - auch am kommenden Samstag auf der Bank sitzen. Da geht es, wie ein Memento mori, zum Tabellenletzten nach Braunschweig. Und also sprach Van Marwijk: "Wir steigen nicht ab, wir haben noch 14 Runden."

Eh, sagen die meisten hanseatischen Beobachter, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat die nicht mehr der niederländische Coach. Im Hintergrund des Aufsichtrates rumort es nämlich so deutlich wider Van Marwijk, dass selbst Felix Magath - Trainerlegende mit HSV-Vergangenheit auch als Spieler - die Hilferufe nicht überhören konnte. Im Radio des Westdeutschen Rundfunks telegrafierte er sozusagen an die Elbe: "Wenn mir jemand so eine Aufgabe anbieten würde, könnte ich mir Gedanken darüber machen."

So schnell konnten die Mikrofone gar nicht abgedreht werden, als die Gedankenmacherbasis schon gelegt war. Klaus-Michael Kühne, ein milliardenschwerer HSV-Fan und seiner Börse wegen auch ein einschlägiger Strippenzieher, verfasste und schickte eine Mail ab: "Lieber Herr Magath, geben Sie sich einen Ruck! Werden Sie Sportdirektor und Trainer beim HSV - dann wird alles gut." Allerdings müsse das auf hanseatisch, also ruck, zuck, gehen. "Sie müssen am Samstag auf der Trainerbank sitzen, sonst gehen weitere drei Punkte verloren, und die Situation wird noch hoffnungsloser."

Gemunkelt wird zwischen Alster, Schanzenviertel und - ja, so weit geht die Panik dem Vernehmen nach - Millerntor freilich über noch Geschwinderes.

Und jetzt auch noch die Bayern

Magath, der ballesterische Peitschenschwinger, soll das Gerät schon am Mittwoch, pfeifen lassen. Da steht das HSV-bestückte Cup-Viertelfinale an. Gegner der Nordlichter sind die Allzeitgroßen aus dem Süden. Feinspitze und solche, die es werden wollen, können diesbezüglich David Alaba und den Seinen in ARD oder Sky ab 20.30 Uhr auf die Beine schauen.

Oder dem Hamburger Sektor dabei zusehen, wie er nach und nach die gewohnte Contenance zu verlieren droht angesichts des erstmalig bevorstehenden Abstiegs. "Die Situation beim HSV treibt mich um", erklärte SP-Bürgermeister Olaf Scholz. Ein Bürgermeister ist das, der sein Ohr hörbar beim Volk hat. 

Dortmund kämpft Frankfurt nieder

Als erstes Team zog am Dienstag Borussia Dortmund ins Halbfinale des DFB-Pokals ein. Der BVB musste allerdings lange kämpfen, bis der 1:0-Erfolg bei Eintracht Frankfurt fixiert war. Für die Entscheidung sorgte Pierre-Emerick Aubameyang erst in Minute 83.

Der 24-Jährige wurde von Sebastian Kehl ideal bedient und traf am langen Eck stehend per Kopf zum entscheidenden Tor. Der auf der Linie postierte Frankfurter Sebastian Rode konnte nicht mehr abwehren.

"Ich habe trotz der Verletzten keine Zweifel gehabt an der Mannschaft. Wir wollten nach Berlin, und das hat man uns angesehen", resümierte Dortmund-Trainer Jürgen Klopp. (sid, wei - DER STANDARD 12.2. 2014 + online update)

DFB-Pokal-Viertelfinale:

Dienstag:

Eintracht Frankfurt -Borussia Dortmund 0:1 (0:0), Tor: 0:1 Aubameyang (83.). Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)

Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Madlung, Djakpa - Russ - Rode, Flum (84. Weis) - Meier - Aigner, Kadlec (46. Rosenthal). - Trainer: Veh

Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Manuel Friedrich, Sokratis, Schmelzer - Sahin, Kehl - Aubameyang (90.+4 Schieber), Mchitarjan (90. Hofmann), Großkreutz - Lewandowski. - Trainer: Klopp

Mittwoch:

Bayer Leverkusen - 1. FC Kaiserslautern (19.00 Uhr/Sky)

1899 Hoffenheim - VfL Wolfsburg (19.00 Uhr/Sky)

Hamburger SV - Bayern München (20.30 Uhr/ARD und Sky)

  • Dem HSV (im Bild Rafael van der Vaart) schwant Übles.
    foto: apa/epa/heimken

    Dem HSV (im Bild Rafael van der Vaart) schwant Übles.

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