Ein Leben im Auftrag des Burgtheaters

Kopf des Tages11. Februar 2014, 18:40
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Soll die Burg-Bilanzen frisiert haben: Silvia Stantejsky

Bereits bei ihrer Bestellung zur kaufmännischen Direktorin im April 2008 war Silvia Stantejsky klar, in welch finanziell bedenklicher Situation sich das Burgtheater befand. Seit der Ausgliederung 1999 war die Basisabgeltung mit 43,7 Millionen Euro gedeckelt gewesen. Für die Saison 2007/08 bekam die "Burg" zwar 2,2 Millionen Euro zusätzlich, doch der Betrag reichte nicht: Stantejsky bezifferte im Gespräch mit dem STANDARD den zusätzlichen Finanzbedarf damals mit 3 bis 3,5 Millionen Euro. Zudem müsse die Inflation abgegolten werden: "Wenn nicht, bleibt es Jahr für Jahr eine Zitterpartie."

So kam es denn auch: Jahr für Jahr zitterte man, ob es gelänge, eine halbwegs ausgeglichene Bilanz zu erstellen. In der Hoffnung auf frisches Geld wurde man immer erfindungsreicher. Aber man kann noch so lange warten: Godot kommt nicht. Und zusätzliches Geld kam auch keines. Im Frühjahr 2013 gab Silvia Stantejsky bekannt, nicht länger als kaufmännische Leiterin zur Verfügung zu stehen.

Doch die temperamentvolle Frau, am 4. Juli 1955 in Wien geboren, war als "treue Seele" unersetzlich. Kaum jemand kennt die "Burg", ihrer Meinung nach ein "Irrenhaus", besser als sie. Die Betriebswirtin, die auch Theaterwissenschaft studierte, leitete von 1980 an das administrative Betriebsbüro unter den Direktoren Achim Benning und Claus Peymann. Seit der Ausgliederung war sie als Prokuristin für Personal-, Rechts- und Vertragsangelegenheiten, Organisation, Produktionsfinanzierung und Bilanzen zuständig. Sie hatte also wirklich Erfahrung, als sie 2008 Thomas Drozda nachfolgte.

Daher war es auch logisch, dass Direktor Matthias Hartmann sie zu seiner Stellvertreterin machte. Doch schon wenige Monate später, im November 2013, wurde sie fristlos entlassen. Man macht ihr seither den Vorwurf, Belege gefälscht, "dolose" Handlungen gesetzt und die finanzielle Situation geschönt dargestellt zu haben. Doch Stantejsky dürfte im Auftrag gehandelt haben.

Zumindest im Auftrag des ehrwürdigen Hauses, das es galt, durch schwierige Zeiten zu manövrieren. Stantejsky hat zwar einen Lebenspartner, den Fotografen Georg Soulek, und mit diesem einen Sohn. Doch "verheiratet" war sie mit der "Burg": Sie arbeitete rund um die Uhr für das Haus und seine Künstler. Sie war "everybody's darling". Vielleicht darf man das nicht sein als Geschäftsführerin. Das meint jedenfalls Maria Fekter. Und die Exfinanzministerin muss es eigentlich wissen. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 12.2.2014)

  • Silvia Stantejsky.
    foto: apa/fabry

    Silvia Stantejsky.

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