Staudruck statt Bogen bei KBA Mödling

11. Februar 2014, 18:24
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385 statt 460 Kündigungen bei Druckmaschinenbauer

Wien - Der Streik beim Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KBA) in Mödling ist vom Tisch. Aber die Verhandlungen gehen weiter. Ab Mittwoch geht es um einen Sozialplan, bestätigte KBA-Vorstand Leopold Achatz Informationen aus dem Verhandlungsteam mit den Arbeitnehmervertretern. Der Sozialplan soll fünf Jahre Laufzeit haben und auch für jene 65 Beschäftigten gelten, die bereits gekündigt wurden.

Das wichtigste Ergebnis des seit Donnerstag währenden Arbeitsausstands: Die Zahl der Kündigungen wurde um 75 auf 385 verringert, je nach Lesart und Quelle sind 310 bis 365 Arbeitsplätze gesichert. Vorerst. Denn niemand weiß, ob der von der KBA-Führung aufgesetzte Restrukturierungsplan "Fit(at)all" ausreicht. Er sieht, wie berichtet, konzernweiten Personalabbau von bis zu 1500 Stellen vor; davon "bis zu 460" bei den österreichischen Standorten Mödling und Ternitz.

Banknotendruck sicher

Sie seien in der Wirtschaftskrise verschont worden, weil Wertpapierdruckmaschinen (Banknoten) von Wirtschaftskrise und Digitalisierung weniger betroffen waren als Bogenoffsetmaschinen, wie sie in Radebeul in Sachsen hergestellt werden. Auch die Werke Würzburg und Dobruska (Tschechien) hätten Rosskuren hinter sich, heißt es.

Nicht verhindert werden konnte mit der Arbeitsniederlegung die laut "Fit(at)all" vorgesehene Bündelung der Produktionskompetenz im Bereich Bogenoffsetmaschinen in Sachsen. Sie führt zum Abzug von Fertigung und Montage der sogenannten Anleger und Unterbauten für Bogenoffset sowie der Anleger für Wertpapiermaschinen von Mödling nach Radebeul. Nicht zu retten war der Standort Ternitz, verliert die Zylinderbeschichtung - und 65 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze.

Auch wenn die große Kündigungswelle gemäß Friedensvereinbarung frühestens im Juli beginnt: Dauerhaft gebannt dürfte die Gefahr für Standort und Jobs in Mödling nicht sein. Denn die am 24. Jänner von der deutschen Muttergesellschaft dominierte Hauptversammlung hat auch eine "Reduzierung der Wertschöpfungstiefe" samt Konzentration auf Kernkomponenten beschlossen. Heißt auf gut Deutsch: Auslagerung von Nichtkerngeschäft, mit der gemäß Mitteilung "Personalanpassung an allen Produktionsstandorten verbunden ist".

KBA-Chef Achatz sieht Mödling davon aber nicht bedroht, denn Kern- und Hochpräzisionsteile der Maschinen wie Zahnräder, Zylinder, Walzen, Greifer, würden weiterhin selbst produziert; Komponenten aber bereits jetzt zugekauft. Zudem prüfe man neue Geschäftsfelder. Auch eine kleine Fertigung mit Maschinenpark bleibe erhalten. Gebaut wird etwa an einem Prototyp einer Staudruckmaschine. Sie ist freilich nicht für Papier, sondern für Kleinkraftwerke. Dem Aufsichtsrat sollen im März vier neue Projekte präsentiert werden. (ung, DER STANDARD, 12.2.2014)

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