Die Burg ist kein Kegelverein

Analyse11. Februar 2014, 18:23
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Finanzmisere: Zweifel an der Einzeltäterin-Theorie

Wien - Das Düsseldorfer Schauspielhaus, jährlich mit 24 Millionen Euro subventioniert, stand im letzten Jahr am Rand der Insolvenz: Es hatte sich ein Defizit von 5,4 Millionen Euro aufgetan. Vergangene Woche zogen die Gesellschafter, die Stadt Düsseldorf und das Land Nordrhein-Westfalen, die Reißleine: Sie trennten sich von Geschäftsführer und Interimsintendant Manfred Weber.

In Österreich hingegen geht man die Sache weit gemütlicher an. Am Montag informierte Georg Springer, der Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, dass im Falle des Burgtheaters mit einem Bilanzverlust von 8,3 Millionen Euro im Jahresabschluss 2012/13 zu rechnen sei. Zudem stünden fünf Millionen Euro an Steuernachzahlungen im Raum. Wie hoch gegenwärtig die Verbindlichkeiten seien, erwähnte er nicht. Im Geschäftsjahr 2011/12 machten sie bereits 16,16 Millionen Euro aus - bei einer Subvention von 46,43 Millionen Euro.

Die Situation ist brenzlig. Und was macht Josef Ostermayer, der neue Kulturminister? Er äußert sich zwar nicht öffentlich, spricht aber Springer das Vertrauen aus. So als sei der Chef des Bundestheater-Konzerns nicht für die Bilanz des Burgtheaters letztverantwortlich. Springer tut natürlich das Seinige dazu: Er ordnete forensische Untersuchungen an - und beschuldigte Silvia Stantejsky, die auf seinen Rat hin im November 2013 entlassen wurde. Die ehemalige Geschäftsführerin habe "dolose", also strafrechtlich relevante Handlungen gesetzt.

Das erinnert ein klein wenig an den Dorfrichter Adam im Zerbrochnen Krug . Denn natürlich ist Springer sehr wohl in den Schlamassel involviert - als Vorsitzender des Burgtheateraufsichtsrats. Ihm muss daher auch die Budgetplanung bekannt gewesen sein, die anscheinend nicht mit realistischen Zahlen operierte.

Auch Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, vertritt die Meinung, dass die Malaise nicht eine einzige Frau zu verantworten habe: "Bundestheater-Holding und Burgtheater sind keine Kegelvereine. Jeder Beleg geht durch zig Hände. Monatliche Berichte gehen auch an die künstlerische Geschäftsführung, vierteljährliche an die Aufsichtsräte. Irgendwann hätte irgendjemand von den vielen Kontrollorganen rechtzeitig etwas bemerken müssen." Zinggl "bittet" daher die wirklich Verantwortlichen vor den Vorhang.

Vielleicht hätte Georg Springer (67) doch nicht um eine weitere Verlängerung seines Vertrages - um zwei Jahre bis Ende 2014 - bitten sollen. Dann wäre er jetzt fein raus. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 12.2.2014)

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