Salzburger Mönchsberggarage: Parken im Jurassic Park

Kommentar11. Februar 2014, 18:40
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Die geplante Erweiterung der Garagen im Salzburger Mönchsberg auf 2.000 Stellplätze entspricht dem Denken von vorgestern

Geht es nach den Plänen von SPÖ und ÖVP, kann der pensionierte Salzburger Landesbaudirektor Alfred Denk als Geschäftsführer der Salzburger Parkgaragengesellschaft im Herbst dieses Jahres die Baumaschinen auffahren lassen. Die Altstadtgaragen im Salzburger Mönchsberg werden um 650 auf rund 2.000 Stellplätze erweitert. Kostenpunkt: mindestens 24 Millionen Euro.

Die Auseinandersetzungen im Vorfeld sind die gleichen wie bei fast allen Bauvorhaben dieser Größenordnung in den vergangenen Jahrzehnten. Die Betreiber gehen mit Informationen sparsam um, die Vertreter von Bürger- und Anrainerinitiativen drängen auf Offenlegung aller Daten. Im aktuellen Salzburger Fall geht es um die Deutung des Begriffes "Vollauslastung". Ist die Garage eine Stunde pro Tag voll, sprechen die Projektbetreiber von Vollauslastung. Vertreter der Bürgerinitiativen wiederum orten "geschönte Zahlen", weil ganze Parkdecks in der fragwürdigen Zeit gesperrt gewesen wären und die Vollauslastung nur durch ein geringeres Stellplatzangebot zustande gekommen sei.

Parker fahren nicht unterirdisch zu

In Wahrheit aber geht es um viel Grundsätzlicheres. Etwa um die Frage, ob es sinnvoll ist, täglich tausende Autos zusätzlich ins Herz des Weltkulturerbes zu locken? Immerhin spricht selbst ein entsprechendes Gutachten der Parkgaragengesellschaft von 3600 Fahrten täglich. Die Ansage von Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ), andere Städte wären froh, könnten sie den ruhenden Verkehr in einem Berg unterbringen, spricht Bände. Aus den Augen, aus dem Sinn. Allerdings fahren die Parker nicht unterirdisch zu, sondern mitten durch Wohngebiete. Es ist eine Binse: Neue Verkehrsflächen erzeugen zusätzlichen Verkehr.

Man könnte aber auch nach dem Geld fragen. Die Parkgaragengesellschaft ist hoch profitabel und kann den Ausbau der Kavernen im Berg eigenständig schultern. Nur: Die Gesellschaft befindet sich zu 60 Prozent im Eigentum der Stadt und zu 40 Prozent im Eigentum des Landes. Beide könnten den Ertrag gut brauchen. Wäre es also nicht sinnvoller, die Mittel in den Öffentlichen Verkehr zu stecken? Der Anteil von S-Bahn und O-Bus am Gesamtverkehrsaufkommen liegt in der Stadt Salzburg derzeit bei rund zwölf Prozent. Tendenz seit Jahren sinkend. Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs steigt hingegen kontinuierlich an. Aktuell liegt er bei rund 50 Prozent.

Ex-Planungsstadtrat Johannes Voggenhuber (Grüne) fühlt sich angesichts der geplanten Megagarage wie in einer "Zeitmaschine": Immer wieder würden in der Stadt Salzburg dieselben Dinosaurier-Projekte wie der Straßentunnel durch den Kapuzinerberg oder die Garagenerweiterung debattiert. Verkehrsplaner Hermann Knoflacher wiederum diagnostiziert in den "Salzburger Nachrichten": Durch Salzburg wehe ein alter Geist. Besser als die beiden kann man es kaum sagen. (Thomas Neuhold, derStandard.at, 11.2.2014)

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