Proteste gegen Totalbetonierung der Schwarzmeerküste

11. Februar 2014, 18:37
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"Rettet Strandscha!" ist der Schlachtruf, mit dem Bulgariens Umweltschützer die Küste im Süden des Landes vor der Totalbetonierung bewahren wollen

Sofia/Istanbul - Eine Baulücke gibt es noch an der bulgarischen Schwarzmeerküste, und jetzt soll auch sie geschlossen werden. So sagen Bulgariens Umweltschützer und haben am Dienstag in einem Dutzend Städten des Balkanlandes Straßenproteste organisiert.

Seit das oberste Verwaltungsgericht im Jänner frühere Entscheidungen zu einem "Master-Bauplan" revidiert hat, herrscht wieder Goldgräberstimmung in Zarewo, einem Küstenstädtchen im Süden Bulgariens. Dort endet auch ein Naturpark - und zwar der größte des Landes.

Naturparkdirektor Stefan Slatarow hat fünf Tage nach dem Bau-Urteil auch gleich seine Kündigung erhalten. Noch einmal 100.000 Hotelbetten sollen nach Zarewo und in die Nachbargemeinden kommen. Aussicht auf viel Geld für Bauunternehmer, Investoren und Anwohner.

Politischer Druck wächst

Zarewo und der Naturpark Strandscha - 1000 Quadratkilometer Gebirge im Südosten an der Grenze zur Türkei, Unesco-gelistet und EU-gefördert - sind seit langem ein Politikum. Bulgariens kleine Zivilgesellschaft hat mit Strandscha ihren ersten Sieg errungen. Vor sieben Jahren ertrotzten vor allem junge Bulgaren mit ihren Protestkundgebungen, dass ein anderes Urteil des Verwaltungsgerichts hinfällig wurde. Die Richter hatten entschieden, dass man den Status eines Naturparks auch aufheben kann; angesichts der öffentlichen Empörung erließ das Parlament ein Gesetz, das solche Änderungen verbot.

Die damals regierenden Sozialisten sind nun wieder zurück an der Macht, ebenso wie Zarewos "roter" Bürgermeister Petko Arnaudow und die Grundstücksaufkäufer mit ihren alten Hotelplänen. Kein Wunder, dass sich auch die Rechtslage wieder ändert, sagt Borislaw Sandoz, der Co-Vorsitzende der bulgarischen Grünen. "Der politische Druck auf die Gerichte wächst nur", behauptet er. Sandoz verweist auf den jüngsten Monitoring-Bericht der EU, der vor allem die weiterhin mangelhafte Transparenz des Gerichtswesens in Bulgarien beanstandet.

Im Landwirtschaftsministerium in Sofia, wo einige der Kompetenzen für die Verwaltung von Strandscha liegen, sieht man das ganz anders. Die Umweltschützer leben in den Städten, nicht in der Strandscha, heißt es: "Sie wissen nicht, wie schwer es ist, in den Dörfern für die Familie zu sorgen." Besorgt über einen Neubeginn der Antiregierungsproteste schieben sich die Ministerien den Zarewo-Masterplan wie eine heiße Kartoffel zu. Das Landwirtschaftsministerium hält ihn für rechtsgültig, das Ministerium für Regionalentwicklung hat sich eine Überprüfung ausbedungen. Das Umweltministerium hat das erledigt und eine neue Denkpause verordnet. (Markus Bernath, DER STANDARD, 12.2.2014)

  • Das Gericht sagt Ja zu Hotelburgen im Naturpark Strandscha.
    foto: biodiversity

    Das Gericht sagt Ja zu Hotelburgen im Naturpark Strandscha.

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