Andere Länder, ähnliche Raunzer

11. Februar 2014, 16:07
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In der Niederlage sind die User doch alle gleich. Ein kurzer Blick in internationale Sportforen

Jetzt ist fast alles wieder gut. Martin Fourcade hat die französischen Wintersport-Aficionados am Montag mit einer Goldenen im Biathlon erlöst. Kurz zuvor zerrte die zwei Tage anhaltende Erfolglosigkeit noch etwas an den Nerven der Fans.

"Die sind doch nur im Skisport gut!"

"Die Franzosen fahren nur hin, um nicht zu verlieren, die anderen um zu gewinnen", schrieb etwa ein User auf der Webseite der französischen Sportzeitung L'Équipe nach der Abfahrt der Herren. Die Performance von Adrien Théaux und Co. - keiner unter den Top 15 - wurde quasi einstimmig als "lächerlich" bezeichnet. "Mit unseren Möglichkeiten müssten wir die Nummer eins der Welt sein, wie die Norweger im Langlauf", schreibt ein Visionär. "Wir haben keine Tradition wie die Schweiz oder Österreich", entgegnet der Realist.

Österreich? "Die sind doch nur im Skisport gut!", spricht es ein User gelassen aus. Und plötzlich tritt ein edler Ritter zur Ehrenrettung der Alpennation an: "Felix Baumgartner, Herbert Nitsch, Niki Lauda. Sie haben Rodler und Skispringer. Und gestern eine Medaille im Biathlon. Nicht schlecht für ein Land mit 8,5 Millionen Einwohner. Warum nicht einfach mal gratulieren?" Hört, hört.

Doch das Fachverständnis ist nicht allen Lesern der Équipe vergönnt. "Maier, nicht Mayer!" postet einer derer. Er, der Skirennen vermutlich nur alle vier Jahre beobachtet, dachte wohl noch an den großen Hermann und einen peinlichen Tippfehler der Redaktion. Unbarmherzig wird er von der Community mit roten Wertungen abgestraft.

"Er ist ein Verlierer. Ende der Diskussion"

In den USA flüchtet sich ein Hellseher auf foxsports.com derweil in Sarkasmus: "Jetzt werden sie zurückkommen, in einem Büro arbeiten oder Autos verkaufen. Und zwei Wochen nach den Spielen versteigern sie ihren Rennanzug auf ebay". Ein User vermisst das Sieger-Gen und packt die Keule aus: "Miller hat es im entscheidenden Moment nicht gebracht. Er ist ein Verlierer. Ende der Diskussion." Ein anderer ergänzt: "Er wurde in den Medien einfach immer überschätzt."

Lösungsansätze werden auch in den USA angeboten: "Vielleicht sollten unsere Athleten coachen anstatt selber noch zu fahren." Platz machen für die Jungen also, hört man auch in Österreich immer wieder. Aber wenn es keine gibt? "Dieselben Deutschen, die vor 15 Jahren zu sehen waren, nehmen heute immer noch teil. Nachwuchs null!", empört sich ein User auf bild.de über den Eisschnelllauf, der rundum zur niederländischen Domäne geworden ist. Das zieht auch Oranje ins deutsche Forum: "Wir Holländer erwarten nix weniger als Gold..." Der Moment wird ausgekostet, die Fußball-WM kommt früh genug. (phb, derStandard.at, 11.2.2014)

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